Es gibt eine merkwürdige Eigenart unter Erwachsenen, die sich getrennt haben: Sie reden nicht. Zumindest nicht über das, worüber sie reden sollten. Ferien zum Beispiel. Geburtstage. Wochenenden. Alles, was für Kinder eigentlich kleine Anker sein könnte, wird zum Nebel aus Schweigen, Andeutungen und unausgesprochenen Entscheidungen.
Das Ergebnis ist vorhersehbar. Der eine Elternteil fragt frühzeitig, wie die Ferien aussehen – bekommt aber nichts als ein Achselzucken. Wochen später, wenn die Koffer längst gepackt sein müssten, steht die Antwort plötzlich da wie ein Straßenschild im Nebel: „Übrigens, es ist die zweite Hälfte.“ Wie lange genau? Wieder Schweigen.
Das Schweigen hat Macht. Es lässt Pläne platzen, verschiebt Geburtstagsfeiern, nimmt Vorfreude weg. Und das Schlimmste daran: Wer auf Antworten wartet, kann nichts tun, außer zuzustimmen. Ein leises Ja gegen den Kloß im Hals. Denn wer Nein sagt, riskiert, dass das Kind zwischen die Fronten gerät.
Kinder als Beifang
Kinder sind in solchen Momenten nicht die Hauptsache, sondern der Beifang in einem Machtspiel. Sie tragen keine Schuld, aber sie tragen die Konsequenzen. Sie spüren, dass etwas nicht stimmt, auch wenn niemand es ausspricht. Sie merken, dass die Eltern nicht wirklich miteinander reden – sondern übereinander bestimmen.
Und dazwischen sitzt ein Elternteil, der nur funktionieren darf. Lächeln, auch wenn das Herz schwer ist. Planen, auch wenn der Plan wieder zunichtegemacht wird. Warten, hoffen, einatmen, ausatmen. Immer in der Angst, dass jedes kleine Aufbegehren dem Kind schadet.
Der stille Stich
Es sind diese kleinen Stiche, die am meisten wehtun. Man plant etwas Schönes – eine Feier, einen Ausflug, eine besondere Woche. Und dann kommt die Nachricht: „Nein, das ist anders.“ Einfach so. Ohne Gespräch, ohne Begründung, ohne Augenhöhe.
Man könnte schreien, diskutieren, toben. Aber am Ende bleibt nur der Knoten im Bauch. Der stille Stich, der sagt: Deine Stimme zählt hier nicht.
Das Ding is
Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Aber sie brauchen Eltern, die miteinander reden. Sie brauchen Berechenbarkeit, damit sie wissen, worauf sie sich freuen können. Sie brauchen Geburtstage, die nicht nach Machtentscheidungen schmecken, sondern nach Kuchen und Kerzen.
Das Ding is: Es geht nicht darum, dass einer gewinnt und der andere verliert. Es geht darum, dass das Kind nicht verliert. Schweigen ist keine Erziehungsmethode und kein Kompromiss. Es ist nur ein Werkzeug, das verletzen kann. Wer Kinder liebt, redet. Wer Kinder liebt, entscheidet nicht im Alleingang. Wer Kinder liebt, macht die Stimme des anderen Elternteils nicht kleiner.
Denn am Ende zählt nicht, wer den längeren Atem im Machtspiel hat. Am Ende zählt, welches Gefühl das Kind mitnimmt. Und das sollte nicht Unsicherheit sein – sondern das Wissen, dass es zwei Eltern hat, die ihm den Raum geben, Kind zu sein.
Herzlichst, Mike