Heiraten: Die romantischste Steuererklärung der Welt
Man sagt ja, Liebe sei das schönste Gefühl der Welt. Bis das Finanzamt sie entdeckt.
Denn sobald man sich traut (das Wort kommt nicht von ungefähr), wird aus Herzklopfen Formulararbeit. Es beginnt mit „Ja, ich will“ – und endet oft mit „Ja, Sie müssen“.
Versteh mich nicht falsch. Ich hab nichts gegen Heiraten. Grundsätzlich ist das okay. Aber ich war schon mal verheiratet, und ich weiß: Beziehungen funktionieren auch ganz wunderbar ohne diesen offiziellen Stempel vom Amt. Wenn du jemanden wirklich liebst, brauchst du kein Siegel aus dem Standesamt, das dir bestätigt, dass es „echt“ ist.
Und ehrlich: Wenn man einen Trauschein braucht, um sich sicher zu fühlen, dann ist das kein Zeichen für Liebe, sondern für Unsicherheit.
Liebe mit Steuerklasse
Der größte Unterschied zwischen einer Ehe und einer Beziehung ohne Ehe? Ganz einfach: die Lohnsteuerklassen. Emotionale Unterschiede? Keine. Aber der Staat findet’s romantisch, wenn man gemeinsam seine Steuererklärung abgibt.
Das Schöne ist: Viele tun so, als sei das ein göttlicher Bund, aber in Wahrheit ist es ein bürokratischer. Romantik mit Aktenzeichen. Liebe auf Papier. Ein Vertrag mit eingebautem Kleingedruckten.
Klar, das bringt auch Vorteile. Gemeinsame Krankenversicherung, Steuererleichterungen, Erbansprüche – kurz: Die Ehe ist ein staatlich anerkanntes „Ich hab dich lieb“.
Man heiratet also weniger aus Liebe als aus Vernunft. Und wer was anderes behauptet, sollte mal in seine Gehaltsabrechnung schauen.
Der große Hochzeitszirkus
Und dann kommt sie – die Hochzeit.
Das gesellschaftliche Megaevent. Die kollektive Schnapsidee, bei der erwachsene Menschen plötzlich anfangen, Tauben in den Himmel zu werfen und 5000 Euro für Deko auszugeben, die am nächsten Tag niemand mehr braucht.
Alle bekloppt.
Und ich meine das liebevoll.
Man sieht da erwachsene Männer, die auf Knien Ringe in die Kamera halten, und Frauen, die sich drei Monate lang mit der Frage beschäftigen, ob die Servietten besser zu den Blumen oder zum Brautkleid passen. Und das alles für einen Tag, an dem am Ende alle betrunken sind – inklusive der Schwiegermutter.
Aber gut, ich mag Hochzeiten. Wenn ich Gast bin.
Gutes Essen, gute Drinks, kein organisatorischer Stress – das ist eine Kombination, gegen die selbst ich nichts sagen kann.
Nur heiraten würde ich selbst nicht mehr. Ich esse lieber nur vom Buffet der Liebe, ohne mich gleich an die Spülmaschine zu binden. Das meine ich nicht negativ. Ich brauche keinen Trauschein um zu wissen das ich meine Frau liebe. Und ja, ich nenne meine Frau, meine Frau, auch ohne Hochzeit.
Romantik: Chemie mit Verfallsdatum
Menschen heiraten, weil sie denken, es sei romantisch.
Die Wahrheit ist: Romantik ist ein Hormonsturm mit Ablaufdatum.
Diese berühmte „große Liebe“ ist eigentlich nur eine chemische Überdosis im Gehirn. Dopamin, Serotonin, Oxytocin – das volle Feuerwerk der Verliebtheit. Ein Zustand, der alles vernebelt.
Frisch Verliebte sind wie betrunkene Teenager mit Blumenstrauß.
Kaum auszuhalten.
Und jetzt stell dir vor, dieser Zustand würde ewig anhalten.
Dann wären wir eine Gesellschaft aus sabbernden Vollidioten, die sich den ganzen Tag gegenseitig in die Augen starren, statt zu arbeiten.
Darum hat die Natur die Bremse eingebaut. Die Biologie sorgt dafür, dass wir wieder klar denken können – spätestens nach zwei Jahren.
Romantik ist also nichts Dauerhaftes, sondern ein Startsignal.
Die Ehe versucht, daraus ein Dauerabo zu machen. Und da fängt’s an, schiefzugehen.
Wenn’s nicht mehr läuft
Scheidung wird oft als Scheitern gesehen.
Ich finde, das ist Blödsinn.
Wenn’s nicht mehr läuft, warum sollte man sich quälen?
Und ja, auch wenn Kinder da sind – glaubt irgendjemand, die merken nicht, wenn ihre Eltern sich hassen?
Kinder brauchen keine Show-Ehe. Sie brauchen Erwachsene, die ehrlich sind, Verantwortung übernehmen und trotzdem füreinander da bleiben. Auf Elternebene.
Das ist echte Liebe. Nicht zum Ex, sondern zu den Kindern.
Mehr, als es vorgespielte Harmonie jemals sein könnte.
Sich einzugestehen, dass etwas zu Ende ist, ist kein Versagen – es ist Reife.
Und ja, manchmal ist die Scheidung der vernünftigste Akt einer Beziehung.
Was eine Beziehung wirklich ausmacht
Eine gute Beziehung hat mit Vertrauen zu tun.
Mit dem Wissen, dass man Geheimnisse haben darf – aber auch, dass man sich aufeinander verlassen kann.
In einer Beziehung sollte man beste Freunde sein.
Man sollte Nähe wollen, aber auch mal allein etwas unternehmen können.
Kurzum: zwei Menschen, die sich mögen, respektieren, begehren – und sich gegenseitig die Freiheit lassen. Und dennoch gemeinsam etwas zu bauen. Und ich meine keine Mauern.
Oder, um’s ganz einfach zu sagen: allerbeste Freunde, die’s miteinander treiben.
Das ist Beziehung. Nicht der Ring, nicht das gemeinsame Konto, nicht die Instagram-Hochzeitsfotos mit #ForeverUs.
Sondern das Vertrauen, dass man bleibt, obwohl man nicht müsste.
Soll man also heiraten?
Ganz ehrlich?
Wenn du mich fragen musst, dann lass es.
Wer wirklich heiraten will, weiß das.
Wer zweifelt, der sucht nur nach Bestätigung.
Und wenn du schon vorher wissen willst, ob es funktioniert – dann hast du das falsche Motiv.
Das Ding is:
Heiraten ist kein Fehler. Aber es ist auch keine Garantie.
Es kann wunderschön sein – wenn man weiß, dass man auch ohne kann.
Liebe ist kein Vertrag. Sie ist ein Versprechen, das man jeden Tag neu geben muss.
Und wenn man das ehrlich meint, braucht man keinen Pfarrer, kein Amt und keine Ringe, um es echt zu machen.
Manchmal ist die schönste Form der Liebe die, die frei bleibt – weil sie es will, nicht weil sie es muss.
Herzlichst,
Mike
Lust, mitzudiskutieren?
Wie siehst du’s – braucht echte Liebe ein Stück Papier? Schreib’s unten in die Kommentare und sag deine Meinung. Unzensiert, ehrlich, respektvoll.
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UZH News - PubMed (Nature-Studie 2005): „Oxytocin increases trust in humans“ (Kosfeld et al.)
PubMed - DasGehirn.info (Wissensportal): Überblick zu Dopamin/Oxytocin & Liebe
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