Marcel Fratzscher, Chef vom DIW und offenbar Fan von All-Inclusive-Lösungen, hat einen Vorschlag gemacht, der so klingt, als hätte man ihn nachts um drei bei einem Glas Chardonnay mit der Schlagzeile „Alte retten Deutschland“ geweckt. Kurz gesagt: Rentner sollen ein Pflichtjahr machen. So richtig mit sozialem Engagement. Und wer weiß, vielleicht auch mit Uniform, falls bei der Bundeswehr gerade wieder niemand mehr weiß, wie man ein Fax schickt.
Fratzscher nennt das einen Beitrag zu mehr „Generationengerechtigkeit“. Ich nenne es: PR mit Nebenwirkung.
Wer nicht mehr arbeitet, darf jetzt eben dienen
Wir kennen das Spiel ja inzwischen. Irgendwo klemmt’s in diesem Land – Pflege, Bildung, Verteidigung, Verwaltung, egal – und statt das Problem ernsthaft anzupacken, schlägt irgendein Wirtschaftsweise vor, eine neue Pflicht einzuführen. Am besten für Menschen, die sich nicht mehr wehren (können). In dem Fall: Rentner.
Die Alten also. Die, die wir vor kurzem noch wegen ihrer Diesel-Autos, ihrer angeblich fetten Rente und ihrer jahrzehntelangen Urlaubsflüge beschimpft haben. Jetzt sind sie plötzlich die letzte Hoffnung, weil die Bundeswehr anscheinend keinen Personaler findet, der ein Bewerbungsgespräch führen kann, ohne in der eigenen Dienstvorschrift zu ersticken.
Und das alles – welch Wunder – pünktlich zur Veröffentlichung von Fratzschers neuem Buch. Titel: Nach uns die Zukunft. Wenn schon Marketing, dann bitte mit Mehrwertsteuer.
Generationengerechtigkeit mit Vorschlaghammer
Natürlich gibt es echte Probleme zwischen den Generationen. Die Jungen zahlen sich dumm und dämlich, während das Rentensystem wackelt wie ein Ikea-Stuhl auf Altbauparkett. Klima, soziale Abgaben, marode Schulen – alles auf ihren Schultern.
Aber die Lösung ist doch nicht, den 70-jährigen Rentner zum Suppenausgeben zu zwingen. Oder ihn in eine Bundeswehr-Kantine zu schicken, weil er vor 50 Jahren mal gelernt hat, wie man ein Funkgerät bedient. Das ist keine Gerechtigkeit – das ist hilfloser Aktionismus mit Ankündigungscharakter.
Und ja, viele Ältere würden sich gerne mehr einbringen. Viele tun das längst – ehrenamtlich, freiwillig, unauffällig. Aber aus Freiwilligkeit eine Pflicht zu machen, ist ungefähr so sinnvoll wie das Prinzip „Wer sich engagiert, muss zur Strafe mehr schuften“.
Wenn wir schon über Lasten reden …
Dann bitte auch über die richtigen. Man kann nicht ernsthaft sagen: „Wir haben kein Geld für Pflege und Bildung“, während gleichzeitig Milliarden in Projekte fließen, die mit dem Leben hierzulande ungefähr so viel zu tun haben wie ein Stromanschluss in der Wüste.
Beispiel gefällig? Ukraine. Da wird jede Lieferung von Panzern, Munition und Satelliten-Zeugs in Sonntagsreden als „alternativlos“ verkauft – während in deutschen Klassenzimmern der Putz von der Decke rieselt und Pflegeheime Personal suchen wie andere Leute ihren Haustürschlüssel. Oder Entwicklungshilfe: Fahrradwege in Afrika, Gender-Projekte in Südostasien, CO₂-Kompensationsfonds für Palmenwälder in Panama – alles fein, alles wichtig, bestimmt. Aber vielleicht, ganz vielleicht, könnten wir erst mal gucken, ob wir nicht unsere eigenen Baustellen dichtkriegen.
Nein, das ist kein Aufruf zu Egoismus. Das ist ein Aufruf zu Realitätssinn. Denn wenn du zu Hause die Küche brennen hast, ist es vielleicht nicht der beste Moment, den Nachbarn beim Rasenmähen zu helfen.
Pflicht – der neue Lieblingsknebel
Was Fratzscher da vorschlägt, ist nicht nur wirtschaftlich seltsam – es ist politisch gefährlich. Denn wir reden nicht mehr über Motivation, sondern über Zwang. Und Zwang erzeugt keine Solidarität, sondern Widerstand. Vor allem, wenn er so ungleich verteilt ist wie in Deutschland. Wer zu wenig hat, bekommt Auflagen. Wer genug hat, schreibt Bücher über Auflagen.
Und komm mir keiner mit „Aber wenn die Alten nicht helfen, wer dann?“ – vielleicht mal jemand, der dafür bezahlt wird. Oder Strukturen, die funktionieren. Aber das hieße: Man müsste Politik für das eigene Volk machen. Und nicht Symbolpolitik.
Bürokratie im Angriff – Rentner im Visier
Klar, im Kleingedruckten steht: Wer gesundheitlich nicht kann, wird ausgenommen. Das kennen wir. Dann kommt wieder irgendein Formularmonster mit Attestpflicht, dreifacher Prüfung, Nachweisführung. Am Ende sitzt Herr Müller, 79, mit Diabetes, Arthrose und Lesehilfe vor dem Amt, weil er nachweisen soll, dass er nicht in der Lage ist, das WLAN im Jugendzentrum zu erklären.
Statt dem Land zu helfen, muss er beweisen, dass er unbrauchbar genug ist, um in Ruhe gelassen zu werden. Klingt nach einer Komödie. Ist aber Bürokratie in Deutschland.
Und warum reden wir überhaupt darüber?
Weil’s sich gut verkauft. Weil „Rentner in die Pflicht nehmen“ nach Gerechtigkeit klingt, obwohl es in Wahrheit nur ein verzweifelter Versuch ist, systemisches Versagen irgendwie umzubiegen. Und weil man damit Schlagzeilen macht – vor allem dann, wenn man zufällig ein Buch rausbringt, in dem man selbst die Antworten auf die selbstgestellten Fragen liefert. Sauberer Move. Muss man ihm lassen.
Aber im Ernst: Wenn das die neue Form von „sozialer Innovation“ ist, dann gute Nacht. Dann sind wir nicht mehr weit entfernt von der Forderung nach einem „Digitaldienst“ für Menschen über 50, damit sie endlich lernen, wie Onlinebanking geht. Oder einem „Klimadienst“ für SUV-Fahrer mit verpflichtender Fahrradschiebepflicht durch Innenstädte.
Das Ding is
Wenn wir wirklich Generationengerechtigkeit wollen, dann brauchen wir ehrliche Lösungen – keine PR-Stunts mit Zwangscharakter. Vorschläge? Hier:
- Freiwilliges Engagement fördern, nicht erzwingen. Und zwar so, dass es sich lohnt: steuerlich, sozial, emotional.
- Statt Rentner verpflichten, endlich Strukturen reparieren. Schulen, Pflegeheime, Verwaltung – da gehört das Geld hin, nicht in bunte PDFs für Auslandsprojekte mit Wohlfühletikett.
- Geld sinnvoll umverteilen. Nicht mehr nach außen schauen, wenn innen alles auseinanderbricht. Ja, wir können helfen. Aber nicht, wenn uns das Fundament unter den Füßen wegbröselt.
- Reichtum richtig besteuern. Nicht den Rentner, der 45 Jahre gearbeitet hat, sondern die, die mit einem Aktienklick mehr verdienen als eine Pflegekraft in einem ganzen Jahr.
- Menschen beteiligen, nicht bevormunden. Die Alten haben mehr Lebenserfahrung als manchem Entscheider lieb ist. Vielleicht sollten wir mal auf sie hören, bevor wir sie verplanen.
Solidarität lebt nicht von Vorschriften, sondern von Vertrauen. Und Vertrauen entsteht, wenn man Menschen etwas zutraut – nicht, wenn man sie rumkommandiert.
Herzlichst, Mike
Dein Wort ist gefragt: Pflichtjahr für Rentner – Fortschritt oder Vollschuss? Schreib’s drunter. Egal ob Wut, Ironie oder Klartext – Hauptsache echt.
Ihr seid alle so egoistisch. Nur meckern. Rentner sind nicht heilig – viele sind fit, reisen durch die Welt, cruisen mit dem Wohnmobil rum. Aber für zwei Stunden in der Woche was tun? Nee, da ist dann die Rente „heilig“. Lachhaft.
die Rentner haben ihr Leben lang gearbeitet und haben ihren Ruhestand verabschiedet,. Punkt
Ihr habt das Land ausgepresst wie ’ne Zitrone und wollt jetzt im Liegestuhl chillen, während die Jungen bluten? Nee Leute. Ran an die Arbeit. Gerechtigkeit ist keine Einbahnstraße.
Hab 45 Jahre gearbeitet, Steuern gezahlt, zwei Kinder großgezogen – und jetzt soll ich noch ins Pflichtjahr? Die sollen mal lieber die Milliardenhilfen für alles außer Deutschland durchrechnen. Dann reden wir über „Gerechtigkeit“.
„Alte sollen helfen“ klingt ja super, bis man mal im Pflegeheim gesehen hat, wie viele selbst kaum noch alleine aufs Klo kommen. Ihr habt komplett den Bezug zur Realität verloren.
stimmt
Pflichtjahr für Rentner? Ja klar, und demnächst verpflichten wir Kinder zur Frühförderung des Staates ab Geburt. Nennt es gleich um in „Arbeiterrepublik Absurdistan“.
Ganz ehrlich? Viele Rentner hocken eh den ganzen Tag vorm Fernseher. Ein soziales Jahr würde denen sogar guttun. Bewegung, Kontakt, Sinn. Jammern können sie danach wieder.
Ich bin 74. Hab gearbeitet, Steuern gezahlt, Kinder großgezogen. Und jetzt kommt da so’n Theoretiker mit Buchveröffentlichung und will mir erzählen, ich soll noch mal antanzen? Hau ab, ehrlich.
Fratzscher sollte mal selbst ein Pflichtjahr machen – im Stehen, bei 35 Grad, auf einer überfüllten Demenzstation. Mal schauen, ob er dann immer noch so klug daherredet.
Ich war beim Bund. Hat gereicht. Wenn jetzt die Alten wieder ran sollen, nur weil nix mehr läuft, zeigt das nur eins: Wir haben als Gesellschaft komplett versagt. Und Fratzscher verkauft das auch noch als Fortschritt?
Wer körperlich fit ist und keine Verpflichtungen hat, kann ruhig ein paar Stunden im Monat helfen. Das ist keine Zwangsarbeit, das ist Anstand. Aber davon haben viele hier anscheinend nie was gehört.
Wer 40 Jahre gearbeitet hat, darf dann wohl auch erwarten, den Lebensabend in Ruhe zu verbringen. Oder sollen wir demnächst auch Friedhofsdienste einführen? Lächerlich.
Alle jammern, aber keiner hat ne Lösung. Vielleicht ist das Pflichtjahr für Rentner nicht perfekt, aber wenigstens mal ein Vorschlag. Besser als das übliche Nix.
Ich find’s gut. Wenn man fit ist, warum nicht was zurückgeben? Es geht ja nicht darum, Leute zur Schichtarbeit zu zwingen, sondern der Gesellschaft was zurückzugeben. Wer sich da so aufregt, hat was zu verbergen.
Endlich spricht es mal jemand aus. Warum sollen immer nur die Jungen ran? Viele Rentner sind fit, kompetent und haben Zeit. Ein soziales Pflichtjahr ist kein Zwang, sondern ein Dienst an der Gesellschaft. Bin voll dafür.
Das ist doch kein „neuer Generationenvertrag“, das ist Altersausbeutung mit freundlichem Lächeln. Wer bei der Bundeswehr sparen muss, soll bei sich anfangen – nicht beim Rentner, der kaum noch ’ne Treppe hochkommt.
Wird Zeit, dass auch ältere Menschen wieder was beitragen. Jeder Dienst zählt. Wer sich da drüber aufregt, hat wahrscheinlich nie gelernt, was Gemeinschaft bedeutet. Vielleicht kommt das im Pflichtjahr endlich an.