KI Generiert, keine echten Personen
Das Emma als verlorenes Stück Stadt
Seit Jahren reden wir in Pforzheim über das Bäderfiasko. Jeder kennt die Geschichte, jeder kennt die Diskussionen, jeder kennt das Gefühl, dass hier etwas komplett aus dem Ruder gelaufen ist. Und jetzt, nach sieben Jahren ohne richtiges Schwimmbad, soll alles besser werden. Die Politik sagt, das Panoramabad sei die Lösung. Ich sage: Es ist komplizierter, und es ist ehrlicher, das auch genauso auszusprechen.
Ich fange damit an, was mir persönlich wichtig ist. Das Emma-Jaeger-Bad war ein Stück Pforzheim. Es war mitten in der Stadt. Es war für jeden erreichbar. Man konnte nach der Schule kurz hinlaufen, nach der Arbeit schnell vorbeischauen, am Wochenende mit der Familie hingehen, ohne dass man gleich eine Fahrt planen musste. Das Emma war kein Luxusbad. Es war ein Ort, den jeder kannte. Und genau deshalb war es falsch, dieses Bad so lange zu vernachlässigen, bis es am Ende tot war. Der marode Zustand kam nicht plötzlich, er war die Folge vieler Jahre, in denen man einfach nichts getan hat. Und das ist der eigentliche Skandal.
Ein neues Bad, aber ein hoher Preis
Dass man das Bad dann geschlossen hat, kann man verstehen. Ein kaputtes Bad kann man nicht offenlassen. Aber dass man so lange brauchte, um sich überhaupt zu einigen, was man danach macht, ist schwer zu akzeptieren. Erst wollte man ein neues Bad mitten in der Stadt. Dann wurde alles wieder verworfen. Dann kam der Wartberg ins Spiel. Dann brauchte man wieder Jahre, um einen Bebauungsplan zu beschließen. Wenn man alles zusammenfasst, geht es immer um dasselbe: Die Politik hat es verschlafen, rechtzeitig zu handeln.
Jetzt soll das Panoramabad die Lösung sein. Ein großes Kombibad. Ein Hallenbad mit Rutsche, Sauna, Sportbecken. Ein saniertes Freibad gleich daneben. Alles wirkt neu, modern und durchdacht. Nur leider ist auch klar, dass das Projekt inzwischen fast 80 Millionen Euro kostet. Für eine Stadt wie Pforzheim ist das ein riesiger Betrag. Wenn man bedenkt, dass die Rettung des alten Emma bei weitem nicht so teuer gewesen wäre, fühlt sich das für viele wie ein Schlag ins Gesicht an. Und ich verstehe das.
Pforzheim hat nicht viel Geld. Die Stadt kämpft überall mit Herausforderungen. Und wenn man dann sieht, dass man beim Thema Bäder so lange nichts hinbekommen hat und jetzt ein Projekt aus dem Boden zieht, das so teuer ist, dann fragt man sich automatisch, ob man das wirklich vernünftig geplant hat. Es wirkt eher so, als hätte man sich in eine Ecke manövriert und müsste jetzt irgendetwas Großes liefern, damit es endlich vorangeht. Nur ist das Ergebnis dann eben ein 80-Millionen-Projekt, das nicht mehr mit dem vergleichbar ist, was man früher gehabt hat.
Der Standort macht es nicht einfacher
Dazu kommt der Standort. Der Wartberg ist ein schöner Ort, keine Frage. Aber er ist nicht die Stadtmitte. Er ist kein Ort, zu dem man spontan geht, nur weil man gerade Lust hat. Natürlich gibt es Busse. Natürlich kommt man irgendwie hin. Aber es ist nicht dasselbe wie vorher. Viele, die kein Auto haben, müssen ihre Wege jetzt anders planen. Schüler, ältere Menschen, Familien mit wenig Geld – für diese Menschen war das Emma einfach zugänglich. Und ein Bad sollte nicht nur modern sein, sondern auch erreichbar. Erreichbar im praktischen Sinn, nicht nur im theoretischen.
Das neue Bad klingt auf dem Papier gut. Aber ein moderner Bau macht die grundlegende Frage nicht kleiner: Wer kann sich das am Ende leisten? Die Eintrittspreise werden steigen. Das ist logisch. Die Stadt kann ein solches Bad nicht günstig betreiben. Alles wird teurer. Und wenn man ehrlich ist: Familien werden das spüren. Manche werden sich überlegen müssen, ob ein Besuch im Panoramabad überhaupt drin ist. Und genau das ist der Punkt, der mir Sorgen macht. Ein Schwimmbad sollte keine Frage des Geldbeutels sein. Aber es ist leider absehbar, dass es genau dazu werden könnte.
Neue Technik, aber altes Personalproblem
Dann gibt es noch das Thema Personal. Seit Jahren haben die Bäderbetriebe in Pforzheim Schwierigkeiten, genügend Bademeister zu finden. Der Beruf ist wichtig, aber wenig beliebt. Die Verantwortung ist hoch, der Stress auch. Und die Bezahlung lockt nicht viele Menschen an. Wenn jetzt ein großes neues Bad entsteht, bedeutet das automatisch, dass man noch mehr Personal braucht. Die Stadt sagt, man bilde aus und hoffe, dass das Bad attraktiv sei. Doch Hoffnung ist kein Plan. Wenn es am Ende nicht genug Fachkräfte gibt, wird das Bad eingeschränkt geöffnet sein oder immer wieder Bereiche schließen müssen. Und das wäre nach all den Jahren ohne richtiges Bad ein weiterer Rückschlag.
Was bleibt, ist ein bitteres Gefühl
Was mich persönlich am meisten trifft, ist dieser Verlust des alten Emma-Gefühls. Nicht wegen Nostalgie, sondern weil es ein Ort war, der Nähe und Alltag bedeutete. Ein Ort, der für die Stadt stand, wie sie ist. Und es schmerzt zu wissen, dass dieses Bad tot ist. Dass man es hätte retten können, wenn man früher gehandelt hätte. Dass man heute zig Millionen mehr ausgibt, als nötig gewesen wäre. All das lässt einen nicht los, egal wie modern das neue Panoramabad wird.
Ich mache dem Oberbürgermeister oder dem Gemeinderat keine Vorwürfe, weil sie ein neues Bad wollen. Ein neues Bad kann gut sein. Es kann wichtig sein. Es kann der Stadt etwas geben, das lange gefehlt hat. Aber ich mache ihnen einen Vorwurf dafür, dass das alte Bad so weit verfallen durfte. Dass man ein Stück Stadtgeschichte aufgegeben hat. Dass man jetzt ein Projekt baut, das viele Menschen am Ende nicht bezahlen können. Und dass man so lange gebraucht hat, Entscheidungen zu treffen, die eigentlich längst fällig waren.
Wenn ich etwas an sie richten könnte, dann wäre es das: Ihr habt zugesehen, wie das Emma gestorben ist. Ihr habt viel zu spät gehandelt. Und jetzt baut ihr ein Bad, das teuer ist, das nicht für jeden erreichbar ist und das vielen Pforzheimern Sorgen macht. Natürlich sehe ich, dass ein neues Bad Vorteile haben kann. Aber ich sehe auch, dass viele Menschen Angst vor den Eintrittspreisen haben. Und ich sehe, dass manche es sich vielleicht nicht mehr leisten können. Genau davor habe auch ich Angst.
Trotzdem hoffe ich, dass das Panoramabad am Ende ein gutes Bad wird. Ein Bad, das der Stadt wirklich etwas gibt. Ein Bad, das nicht nur als teures Projekt da steht, sondern als echter Ort für Menschen. Aber diese Hoffnung kann nur erfüllt werden, wenn die Stadt nicht denselben Fehler macht wie beim Emma. Verantwortung übernehmen. Preise sozial gestalten. Personal sichern. Und den Menschen das Gefühl geben, dass dieses Bad wirklich für alle da ist.
Denn ein Schwimmbad ist mehr als Wasser, Kacheln und Technik. Es ist ein Ort, an dem Stadtleben stattfindet. Und dieser Ort sollte nicht vom Geld abhängen. Nicht in Pforzheim. Nicht bei einer Stadt, die es besser verdient hat.
Das Ding is
Das Ding is: Pforzheim bekommt ein neues Bad, aber der Preis dafür ist nicht nur finanziell hoch. Das alte Emma war mehr als ein Gebäude. Es war ein Ort, den jeder kannte, den jeder nutzen konnte, ohne sich zu fragen, ob er sich den Eintritt leisten kann. Jetzt entsteht etwas Neues, das modern sein wird, groß, sauber, attraktiv – aber eben auch teurer und weiter weg. Wenn die Stadt wirklich will, dass dieses Panoramabad ein Ort für alle wird, dann braucht es klare Entscheidungen: faire Preise, genug Personal, echte Zugänglichkeit und den Mut, Fehler nicht zu wiederholen. Ein Bad ist kein Geschäftsmodell. Ein Bad ist immer ein Zuschussbetrieb, weil es ein Angebot für die Menschen sein soll und nicht dafür da ist, Gewinn zu machen. Nur dann kann dieses Bad das werden, was das Emma einmal war – ein Angebot für alle Menschen in dieser Stadt, nicht nur für die, die es sich leisten können.
Herzlichst, euer Mike
Weitere Quellen:
„Spatenstich für Hallenbad-Bau auf dem Wartberg“ (Pforzheimer Zeitung) – zeigt aktuelle Entwicklungen beim Bau. Pforzheimer Zeitung
„So geht es beim Panoramabad in Pforzheim weiter“ (Badische Neueste Nachrichten – BNN) – thematisiert Kostensteigerung und Folgen. Badische Neueste Nachrichten
„Pforzheims Kombibad-Gegner fordern: Projekt auf Eis legen“ (BNN) – Kritik am Projekt aus Sicht von Gegnern. Badische Neueste Nachrichten