OB, Coach, Buchautor – und Pforzheim war ja auch noch
Peter Boch steht in Pforzheim unter Druck. Erst wegen seiner Nebentätigkeit als Coach mit eigener Beratungsfirma. Dann wegen eines Haushalts, bei dem die Zustimmung im Gemeinderat wackelte. Beides zusammen ist kein Zufall, sondern eine Mischung, die Vertrauen kostet. Und dann heißt es eben: OB oder nicht OB, dass ist hier die Frage!
Der Kern des Problems ist nicht, ob etwas formal erlaubt ist. Der Kern ist die Wirkung: Wenn ein amtierender Oberbürgermeister parallel ein privatwirtschaftliches Angebot startet, wirkt das wie Amt als Marke fürs Privatgeschäft. Rechtlich mag das gehen. Politisch ist es ein Eigentor.
Wichtig: Es geht hier nicht um Neid, nicht um das Prinzip, dass Politiker nie Geld verdienen dürften. Es geht um Rolle, Priorität und Glaubwürdigkeit. Pforzheim ist keine Stadt, die nebenher geführt werden sollte.
Peter Boch Nebenjob: Erlaubt ist nicht automatisch klug
Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat die Nebentätigkeit genehmigt. Das ist der rechtliche Teil.
Der politische Teil sieht anders aus: Boch gründete Peter Boch Consulting und bewirbt Coachings und Masterclasses für Führungskräfte, inklusive Themen wie Menschen überzeugen, Führen mit Wirkung, Souverän vor der Kamera. Preis: 129 Euro. Dazu wird ein Buch angekündigt: Führung. Macht. Einsam.
Und genau hier wird es heikel: Nebentätigkeiten sind üblich und oft unproblematisch – solange sie sauber getrennt sind und keine Interessenkollision entsteht. Kritisch wird es, wenn Inhalt und Außenwirkung nahe am Amt liegen. Wenn das Wahlamt im Umfeld des Angebots mitspielt, entsteht der Eindruck: Das Amt verkauft mit.
Transparency International formuliert es inhaltlich hart: Korruption bedeutet Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Nutzen. Das ist nicht automatisch ein Vorwurf, dass hier konkret Korruption vorliegt – aber es beschreibt, warum bereits der böse Schein gefährlich ist. Und dieser Schein entsteht besonders dann, wenn das private Angebot sichtbar an das Amt angedockt wirkt.
Haushalt 2026/27: Wenn Vertrauen fehlt, helfen keine großen Worte
Boch nannte den Entwurf einen mutigen Zukunftshaushalt: Schulden abbauen, entschlacken, keine Streichlisten, keine Steuererhöhungen.
Gleichzeitig kam Gegenwind aus dem Gemeinderat:
- FDP/FWV kündigte ein Nein an und warnte vor dem Risiko, dass finanzielle Luft ausgeht und am Ende Investitionsruinen bleiben.
- Grüne, WiP und Linke lehnten ab und sprachen von Klientelpolitik.
- SPD bemängelte unter anderem fehlende Investitionen in Sozialprojekte und wollte erst kurz vor der Entscheidung festlegen, ob zugestimmt wird.
So ein Haushalt ist nicht nur eine Rechenaufgabe. Er ist ein Vertrauensvotum. Und Vertrauen wird nicht stärker, wenn parallel eine private Beratungsfirma hochgezogen wird. Das wirkt wie: Vormittags Rathaus im Ehrenamt, nachmittags Marke.
Kritik aus der SPD: Nebentätigkeit aufgeben, solange das Amt läuft
SPD-Fraktionsvorsitzende Annkathrin Wulff rechnete Boch an, dass er die Nebentätigkeit transparent gemacht habe. Gleichzeitig sprach sie von Irritation und Unverständnis über Parteigrenzen hinweg – und riet ausdrücklich, die Beratertätigkeiten aufzugeben, solange Boch im Amt ist, um weiteren Schaden vom Amt abzuwenden.
Das ist politisch der entscheidende Punkt: Kritik kommt nicht nur aus einer Ecke. Das Thema zieht Kreise, weil es ein Grundgefühl trifft: Ein Oberbürgermeister einer Stadt mit Dauerbaustellen sollte alles daran setzen, den Eindruck von Nebenkarriere zu vermeiden.
Das Signal ist das Problem, nicht die Stunden
Boch sagt, die Nebentätigkeit liege bei ein bis zwei Stunden pro Woche und schränke die Amtsführung nicht ein. Das kann so sein. Trotzdem bleibt der Eindruck.
Denn das Signal lautet: Es gibt gerade Zeit, Energie und Lust für ein zweites Standbein. Und genau dieses Signal passt schlecht zu einer Stadt, in der viele Themen seit Jahren drücken und bei Finanzen jeder Fehler doppelt weh tut.
Dazu kommt ein weiterer Eindruck: Der OB wirkt wie der typische Blendamed-Lächler. Viel Außenwirkung, viel Führungssprache, viel Prestige. Und dann wird es unerquicklich, wenn parallel Beratungskurse verkauft werden, während in der Stadt gestritten wird, ob überhaupt genug Luft für die nächsten Jahre bleibt.
Klare Forderung
Die Forderung ist simpel und nachvollziehbar:
Entweder volle Konzentration auf das Amt – oder das Amt abgeben und das private Geschäft machen. Beides gleichzeitig beschädigt Vertrauen, weil es nach Vermischung aussieht, selbst wenn intern sauber getrennt wird.
Rechtlich mag das gehen. Politisch ist es ein Eigentor.
Das Ding is
Pforzheim braucht in schwierigen Zeiten ein klares Signal: Das Amt steht über allem. Der Eindruck, dass ein Oberbürgermeister sein Wahlamt als Aushängeschild für private Angebote nutzt, ist Gift – für Vertrauen, für Autorität und am Ende auch für den Haushalt, der ohne Vertrauen nicht mehrheitsfähig wird. Wer das Amt ernst nimmt, vermeidet nicht nur echte Interessenkonflikte, sondern auch jeden bösen Schein. Und genau daran scheitert diese Nummer.
Eure Jana
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