Es war einmal ein kleiner Junge, der sich das ganze Jahr über auf diese zauberhafte Zeit namens Weihnachtszeit freute. Die Tage fühlten sich anders an, als würde er in einer eigenen Welt leben. Und er fieberte jenem Abend entgegen, den man Heiligabend nannte.
Die ganze Familie kam zusammen. Die kleine Wohnung der Großeltern bebte vor Leben. Oma und Opa, Mama, Tanten und Onkel, Cousinen und Cousins. Alle waren da. Sie lachten. Ja, sie lästerten auch. Aber sie waren da. Und das zählte. Es war schön. Es war warm. Es war Glück. Und es war klar: So wollte er das immer haben.
Die Jahre vergingen. Oma starb. Und irgendwann auch Opa. Mit ihnen starb die Tradition, dass sich die Familie traf. An keinem Tag der Weihnachtszeit gab es das noch so, wie es einmal war. Und der Junge dachte sich: Wenn ich mal erwachsen bin und eine eigene Familie habe, passiert mir das nicht. Wenn ich mal Kinder habe, werden sie mit Oma feiern. Und mit Opa. Seinen Vater wollte er suchen, sobald er groß genug war.
Die Jahre vergingen weiter. Er wurde erwachsen, fand eine Frau, bekam Kinder. Ein paar Jahre war es tatsächlich so, dass er mit Frau, Kindern und Oma feierte. Den Opa der Kinder hatte er gefunden. Ganze vier Tage, bevor dieser Opa starb. Und obwohl er mit seinem Vater nicht viel Zeit verbringen konnte, fehlt er ihm. Er denkt an ihn. Aber so ist das Leben.
Weihnachten war dennoch wertvoll. Die Augen seiner Kinder strahlten, als sie den Baum mit den eingepackten Geschenken sahen. Sie waren ungeduldig, denn zuerst wurde gemeinsam gegessen. Langsam. Er genoss es, mit der Familie zusammen am Tisch zu sitzen. Und er badete in dem Glück, Vater, Mann und Sohn zu sein.
Die Jahre vergingen wieder. Und irgendwann war klar: Die Frau ist weg. Und Weihnachten war wieder so, wie er es nie wollte. Aber diesmal war es schlimmer. Denn die Hoffnung, dass es irgendwann wieder anders werden würde, war nicht mehr da. Er hatte Kinder, mit denen er die Weihnachtszeit nicht mehr komplett verbrachte. Und es war nicht einmal sicher, wann er sie an Weihnachten sehen würde.
Weihnachten war nicht mehr das, was es einmal war. Es war nun die Zeit, die ihn daran erinnerte, was er nicht mehr hatte. Natürlich war die Zeit mit seinen Kindern immer noch schön. Aber sie war auch besonders schmerzhaft, wenn die Kinder wieder gingen. Und dann waren da im Grunde nur noch die Erinnerungen. Erinnerungen, die sich zur Folter entwickelt hatten.
Er entschied bewusst, dass diese Zeit des Jahres etwas Verfluchtes war. Und wenn sie vorbei war, war es besser.
Und wieder vergehen die Jahre. Er würde sich freuen, wenn seine Kinder Heiligabend und die Feiertage bei ihm wären. Das sind sie nicht. Also nicht jeden Tag. Aber er hat gelernt, dass das nun so ist. Es macht ihn traurig. Aber man lernt, damit zu leben. Auch wenn man weiß, dass etwas in einem schreit, weil es das so nicht will.
Jetzt ist es so, dass das Gefühl von früher wiederkommt. Seine Kinder sind da. Die Frau, die nun an seiner Seite ist, ist das Gegenteil vom Grinch. Die Bude ist voll. Die Familie der Frau ist da. Kinder und Mutter. Nur seine eigene Mutter ist leider nicht da. Sie lebt, keine Sorge. Sie ist nur nicht dabei. Das fehlt ihm. Aber er konzentriert sich auf das Schöne. Und er freut sich auf Weihnachten.
Weihnachten ist für ihn ein Gefühl. Es kommt nicht darauf an, wer was geschenkt bekommt. Es geht ums Zusammensein. Darum, von seinen Lieben umgeben zu sein. Und auch wenn seine Mutter nicht dabei ist, denkt er liebevoll an sie und ist glücklich, dass es sie gibt. Einfach glücklich sein. Ein gutes, warmes Gefühl. Das ist Weihnachten.
Und seine jetzige Frau hat an diesen positiven Gefühlen einen sehr großen Anteil.
Weihnachten steht vor der Tür.
Er freut sich.
Danke!! 😘
Ich liebe Dich! ❤️