KI generiert
Kulturelle Aneignung ist so ein Thema, das kommt immer wieder hoch wie ein schlechter Reflux. Du sitzt da, trinkst deinen Kaffee, willst einfach nur leben, und zack: Irgendwo im Internet erklärt dir ein weißer Mensch mit Bio-Hafermilch, dass du gefälligst keine Dreadlocks tragen darfst, weil… ja weil halt.
Und genau da fängt mein Problem an: Die lautesten Aufreger sind meistens die, die mit der Sache gar nichts zu tun haben. Nicht die, die angeblich geschützt werden sollen. Sondern die, die sich moralisch aufpumpen wollen. Aus Empathie wird Besitzanspruch. Aus Respekt wird Kontrolle. Aus Kultur wird ein Zaun mit Schild: Betreten verboten. Genau diese Nummer macht am Ende jede Debatte kleiner – und der Raum schrumpft für alle.
Ich sag’s, wie’s ist: Wenn ich als weißer Europäer Dreadlocks tragen will, dann mach ich das. Und wenn ein Kind Häuptlingsschmuck tragen will, weil es Ureinwohner Amerikas bewundert, dann ist das erst mal kein Verbrechen. Das ist Fantasie, Bewunderung, Rollen spielen. Genau das, was Kinder halt machen, wenn man sie nicht schon im Kindergarten mit Schuldgefühlen und Moraltests erschlägt.
Kulturelle Aneignung als Machtspiel
Heute ist alles „Problem“. Früher hattest du Frisuren. Heute hast du „Aneignung“. Früher hattest du Kostüme. Heute bist du „übergriffig“. Früher hast du Essen gekocht, das du lecker fandest. Heute musst du dich erst entschuldigen, bevor du Reis anfasst.
Und ja: Es gibt echte Fälle von Herabwürdigung. Klar. Wenn man Leute nachäfft, wenn man Kultur als Witz benutzt, wenn man Geschichte bewusst verdreht. Aber das ist nicht der Normalfall.
Der Normalfall ist:
Jemand findet etwas schön, spannend, cool. Punkt.
Und dann kommt irgendein Twitter-Pfarrer (oder Threads-Prediger) aus dem Gebüsch – diese Empörungs- und Beißreflex-Kultur – und hält eine Predigt über Schuld, Privileg, Kolonialismus und die richtige Frisurordnung.
Ich nenn das, was es ist: Machtspiel.
Nicht Macht im Sinne von „ich hab ein Amt“, sondern diese billige, moderne Macht: ich entscheide, was du sagen darfst, was du tragen darfst, wie du denken sollst. Und wenn du nicht mitspielst, bist du halt irgendwas Schlimmes.
Dreadlocks sind keine Staatsgrenze
Diese Idee, dass Kultur wie Eigentum funktioniert, ist komplett schräg. Kultur war nie sauber getrennt. Nie. Kultur ist ein großer, chaotischer Haufen aus Austausch, Einfluss, Kopieren, Weiterbauen. Musik ist Austausch. Essen ist Austausch. Mode ist Austausch. Sprache ist Austausch. Alles, was Menschen cool finden, wird übernommen, gemischt, neu gemacht.
Wenn man das verbieten will, muss man konsequent sein:
Dann darf keiner mehr Pizza essen, der nicht aus Italien ist. Keiner mehr Yoga machen, der nicht aus Indien ist. Keiner mehr Rap hören, der nicht aus der Bronx kommt. Keiner mehr Jeans tragen, der nicht aus der amerikanischen Arbeiterklasse stammt. Und am besten hören wir auch auf, Wörter zu benutzen, weil die irgendwann mal irgendwoher kamen.
Merkst du selber, oder?
Und Dreadlocks? Ganz ehrlich: Haare sind Haare. Du kannst sie mögen oder nicht. Aber daraus eine moralische Besitzfrage zu machen, ist einfach nur lächerlich.
Der Trick mit der Empörung: Betroffene werden als Deko benutzt
Das Absurde ist: Wenn wirklich jemand betroffen ist und sagt: „Ey, das verletzt mich“, dann kann man reden. Ruhig, normal, ohne Theater. Das ist für mich was anderes.
Aber das, was ich meistens sehe, ist nicht „Betroffene sagen was“. Sondern:
Stellvertreter schreien rum und benutzen Betroffene als Begründung.
So nach dem Motto: „Ich spreche für die!“ – gefragt hat nur keiner.
Und dann wird’s ekelhaft: Es geht nicht mehr um Respekt. Es geht um moralisches Punkten. Um „Schaut her, wie gut ich bin“. Und nebenbei wird jeder, der nicht spurt, in die Rassist-Ecke geschubst. Das ist billig. Und es macht Debatten kaputt. Wer online den Zeigefinger schwingt, soll wenigstens mit dem eigenen Namen dafür stehen.
Ich hab als Kind auch Häuptlingsschmuck getragen. Nicht, weil ich irgendwen verachten wollte. Sondern weil ich das faszinierend fand. Ich hab Ureinwohner Amerikas bewundert. Und ich wette, so ging’s den meisten Kindern. Das war kein Hass. Das war kein Spott. Das war kindliches Staunen.
Erst als später irgendwelche weißen Dummschwätzer beschlossen haben, dass das „rassistisch“ sein muss, hat’s diesen Beigeschmack bekommen. Das ist der Punkt: Man lädt Dinge mit Dreck auf, damit man dann als Reiniger auftreten kann. Und wer den Dreck nicht anerkennt, ist der Böse.
Sprache, alte Begriffe, und dieses ewige Missverständnis
Ich sag’s mal so: Viele Leute haben früher Begriffe benutzt, die heute als rassistisch gelten. Nicht unbedingt, weil sie „rassistisch gedacht“ haben, sondern weil sie es so gelernt haben, weil es Alltag war, weil es im Supermarkt so hieß. Das ist die Realität.
Und trotzdem: Nur weil etwas früher normal war, heißt das nicht, dass es heute automatisch okay ist. Wörter tragen Geschichte mit. Und manche Geschichte ist halt nicht hübsch.
Aber mein Hauptproblem bleibt: Wer entscheidet das?
Wenn jemand, der wirklich betroffen ist, ruhig sagt: „Das Wort ist für mich nicht harmlos“, dann kann ich das akzeptieren. Dann kann man sagen: okay, ich nenn’s anders. Fertig. Kein Drama. Nur: Diese ganze „Wächter“-Nummer ist oft genau das, worüber ich schon bei Und Gott sprach: Lies den Faktencheck geschrieben habe.
Was ich nicht akzeptiere, ist dieser weiße Möchtegern-Gutmensch-Modus:
„Ich verbiete dir das jetzt, weil ich moralisch überlegen bin.“
Nee. Einfach nee.
Und noch was: Diese Leute tun oft so, als wären Betroffene eine homogene Masse, die alle das Gleiche denken. Sind sie nicht. Menschen sind verschieden. Humor ist verschieden. Empfindlichkeiten sind verschieden. Die „eine richtige Haltung“ existiert nicht. Die wird nur verkauft, weil sie so schön bequem ist.
Was bleibt übrig, wenn man alles verbietet
Am Ende führt diese Nummer zu einer Welt, in der keiner mehr irgendwas darf, ohne vorher eine Genehmigung beim Internet-Standesamt zu beantragen. Und das ist nicht „progressiv“. Das ist kleinkariert. Das ist autoritär, nur in hübscher Verpackung – diese kleinen Alltags-Diktatoren im Kopf sind genau das Thema von Warum wir alle kleine Diktatoren sind – und das gar nicht merken.
Kultur lebt davon, dass Menschen sich begegnen. Dass man Dinge übernimmt, neu mischt, weiterdreht. Dass man sagt: „Boah, das ist geil, das will ich auch.“ Das ist nicht Respektlosigkeit. Das ist oft das Gegenteil: Anerkennung.
Wenn wir das alles kaputtmoralisieren, bleibt am Ende nur noch Angst. Angst, was Falsches zu sagen. Angst, was Falsches zu tragen. Angst, sich überhaupt noch zu interessieren. Und dann wundern wir uns, warum alle so aggressiv sind und keiner mehr normal miteinander redet.
Das Ding is
Kulturelle Aneignung wird viel zu oft als moralische Waffe benutzt: nicht um Menschen zu schützen, sondern um andere zu kontrollieren und sich selbst als besser hinzustellen. Ja, es gibt echte Respektlosigkeit und Herabwürdigung – darüber kann und soll man sprechen. Aber der Normalfall ist Austausch, Bewunderung und Interesse. Wer daraus pauschal ein Verbot macht, spaltet, macht Kultur klein und erzeugt nur noch Angst. Wenn Kritik kommt, dann bitte von denen, die es wirklich betrifft – ruhig, konkret, ohne Empörungszirkus. Und alle anderen können den Zeigefinger gern mal einstecken und stattdessen lernen, wie man normal redet.
Herzlichst, Mike
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