Bei den Republikanern gibt’s gerade richtig Stress wegen Trumps Grönland-Ansage. Nicht, weil plötzlich alle total friedliebend geworden sind, sondern weil die Nummer selbst in der eigenen Partei nach Eskalation riecht.
Ein Teil der GOP versucht das kleinzureden: Ach komm, das meint doch keiner ernst. Mike Johnson, der Sprecher des Repräsentantenhauses, sagt sinngemäß: Im Kongress plant das keiner, niemand denke ernsthaft an eine militärische Annexion. Auch John Thune im Senat schiebt es in die gleiche Richtung: Militär sei keine Option.
Nur: So richtig glaubwürdig klingt das alles nicht mehr, weil aus dem Weißen Haus eben nicht nur vage Sprüche kommen, sondern Aussagen, die militärische Gewalt ausdrücklich nicht ausschließen.
Kritik aus den eigenen Reihen – und zwar deutlich
Andere Republikaner gehen deutlich härter rein. Mitch McConnell nennt die Aussagen der Regierung unangemessen und kontraproduktiv. Und er macht klar: Wenn da wirklich militärisch was passieren würde, wäre das eine strategische Selbstverstümmelung der USA und würde den globalen Einfluss beschädigen. Das ist schon harter Tobak – und kommt ausgerechnet von einem, der sonst nicht dafür bekannt ist, Trump mit Wattehandschuhen anzufassen.
Thom Tillis setzt noch einen drauf und sagt im Prinzip: Ich hab die Schnauze voll von dem Blödsinn. Er nennt die Idee amateurhaft und findet, die Leute, die das für schlau halten, sollten ihre Jobs los sein. Das ist nicht mehr nur höfliches Stirnrunzeln, das ist offener Angriff auf die eigenen Leute im Weißen Haus.
Rand Paul sagt ebenfalls: Er kennt keinen republikanischen Senator, der militärische Maßnahmen gegen Grönland unterstützt. Kaufen – darüber kann man reden. Aber Gewalt? Riesenfehler. Und er schießt dabei direkt gegen Stephen Miller und dessen politische Ideen.
Warum das Thema so brisant ist
Grönland ist nicht irgendein Stück Land, das irgendwo rumliegt. Es ist ein autonomes Gebiet von Dänemark. Und Dänemark ist NATO-Mitglied und Verbündeter der USA. Heißt: Wenn du anfängst, einem NATO-Partner indirekt mit Gewalt zu drohen, sägst du nicht nur am Stuhl, du zündest gleich das ganze Wohnzimmer an.
Genau deshalb reagieren auch europäische Verbündete allergisch. Für viele wäre ein militärischer Move gegen Grönland eine rote Linie. Nicht verhandelbar. Nicht wegzulächeln.
Weißes Haus: Optionenkatalog, auch mit Militär
Das Weiße Haus behauptet, man prüfe eine Reihe von Optionen, um Grönland zu erwerben. Und ja: Das Militär sei für den Präsidenten immer eine Option. Allein dieser Satz ist der Grund, warum das Gerede vom Verhandlungstrick langsam nach Ausrede klingt.
Dazu kommt: Stephen Miller hat öffentlich gesagt, Grönland solle selbstverständlich Teil der USA werden. Und das passiert in einer Lage, in der die Regierung gleichzeitig in anderen Regionen militärisch agiert oder zumindest als sehr handlungsfreudig rüberkommt. Dadurch wirkt die Grönland-Drohung nicht wie Theater, sondern wie ein Testballon.
Kongress vs. Weißes Haus – die Party ist nicht mehr ganz geschlossen
Der eigentliche Knackpunkt: Die Republikaner haben Trumps Militäraktionen in den letzten Jahren oft mitgetragen. Jemen, Iran, Venezuela – da war viel Zustimmung oder zumindest wenig Widerstand. Aber ein NATO-Verbündeter? Da kriegen selbst treue Parteisoldaten plötzlich Magenschmerzen.
Und genau da siehst du die Spaltung: Die einen wollen das Thema klein halten, weil sie Trump nicht offen widersprechen wollen. Die anderen merken, dass das außenpolitisch ein Eigentor mit Anlauf wäre.
Rubio versucht zu beruhigen – aber auch nicht wirklich
Marco Rubio hat in einer vertraulichen Runde wohl angedeutet, dass Trumps Ziel ein Kauf sei. Also die alte Nummer: Wir bieten Geld, Dänemark sagt nein, wir tun überrascht. Rubio will sich demnächst mit der dänischen Regierung treffen und darüber reden. Ob Militär wirklich ausgeschlossen ist, lässt er aber offen – und genau das ist das Problem. Solange man es nicht klar ausschließt, bleibt die Drohung im Raum.
Lisa Murkowski hofft, dass das alles nur Gerede ist und am Ende eine neue Zusammenarbeit in der Arktis rauskommt. Gleichzeitig warnt sie aber: Eine gewaltsame Annexion würde sowohl die nationale Sicherheit als auch die internationalen Beziehungen beschädigen. Übersetzt: Bitte hört auf, mit dem Feuerzeug im NATO-Zelt rumzuwedeln.
Die Pressesprecherin Karoline Leavitt sagt zwar, die erste Option sei Diplomatie. Aber wenn du im selben Atemzug Iran und Venezuela als Vergleich aufmachst, ist das keine Beruhigung. Das klingt eher nach: Erst reden, dann knallt’s vielleicht doch.
Die Demokraten riechen den Braten
Tim Kaine kündigt an, dass es Initiativen geben könnte, die Trumps Kriegsmacht begrenzen sollen – also rechtlich verhindern, dass der Präsident einfach so loslegt. Und er sagt im Kern: Viele werden wieder so tun, als wäre alles nur Bluff, bis plötzlich doch was passiert. Venezuela sei das Beispiel, wo vorher auch alle dachten, es passiert schon nichts.
Unterm Strich
Die Republikaner sind sich nicht einig, ob das Grönland-Gerede einfach nur heiße Luft ist oder ob da tatsächlich ein gefährlicher Kurs dahintersteht. Und je mehr Leute aus dem Weißen Haus Militär nicht ausschließen, desto weniger zieht die Ausrede vom harmlosen Verhandlungstrick.
Wenn du einem NATO-Partner auch nur andeutest, du könntest ihn militärisch unter Druck setzen, dann ist das nicht hart verhandelt. Das ist schlicht dumm. Und genau deshalb knallt es gerade in Trumps eigener Partei.
Herzlichst
Mike
Lese dazu auch meine anderen Artikel:
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