Friedrich Hebbel haut mit diesem Satz einen unangenehmen Nagel in die Wand: Zum Mitleiden sind viele fähig, zur Mitfreude nur wenige. Und ja – das merkt man sofort, wenn man ehrlich hinschaut.
Mitleid ist sozial akzeptiert. Es wirkt warm, menschlich, anständig. Wer tröstet, steht auf der richtigen Seite. Wer Anteil nimmt, kann kaum falsch liegen. Man muss nichts riskieren, keine eigene Position hinterfragen, keine Konkurrenzgefühle aushalten. Mitleid ist oft auch bequem: Es bestätigt, dass es einem selbst gerade nicht so schlimm geht. Klingt hart, ist aber menschlich.
Mitfreude ist das Gegenteil davon. Mitfreude heißt: Der andere hat etwas, das ich nicht habe. Erfolg, Glück, Liebe, Anerkennung, Gesundheit, Geld, Leichtigkeit. Und plötzlich kommt dieser jämmerliche Reflex: Warum nicht ich? Oder: Bestimmt hat er’s nicht verdient. Oder: Wart’s ab, das geht schon wieder kaputt. Hebbel beschreibt damit keine seltene Charakterstörung, sondern etwas sehr Normales: Viele Menschen fühlen sich im Vergleich zu anderen erst sicher, wenn sie selbst „nicht schlechter“ dastehen. Fremde Freude kann dann wie ein Spiegel wirken, der zeigt, was im eigenen Leben fehlt. Und genau da beginnt der innere Kleinkrieg.
Dazu kommt: Mitleid verbindet schnell, Mitfreude verlangt Größe. Wer mitfreut, stellt sein Ego kurz zur Seite. Wer mitfreut, muss keine Bühne haben. Er muss nicht besser sein, nicht klüger, nicht moralischer. Er sagt einfach: Ich gönn’s dir. Punkt. Das ist schlicht – und genau deshalb so schwierig. Gönnen ist eine Entscheidung gegen Neid. Gegen Missgunst. Gegen dieses ständige Messen.
Hebbels Satz ist deshalb kein moralischer Zeigefinger, sondern ein Test: Wie reagiere ich, wenn jemand anderes gewinnt? Kann ich das aushalten, ohne sofort eine Erklärung zu suchen, warum es „eigentlich“ nicht zählt? Und wenn nicht: Was sagt das über mich?
Sag mal ehrlich: Wie verstehst du dieses Zitat – und wo erwischst du dich selbst eher, beim Mitleiden oder beim Mitfreuen?
Ich heiße Mike Hardel. Geboren in Pforzheim, beruflich unterwegs als Fahrer, aber eigentlich ständig auf Gedankenreise zwischen Kaffee und Kant. Der Blog hier? Kein Hobby. Eher ein Reflex. Ein digitaler Ausrutscher mit Absicht.
Ich schreibe, weil ich nicht anders kann. Weil mich Dinge aufregen, die andere wegnicken. Weil ich glaube, dass Denken nicht out ist – und Meinung nicht automatisch Hass. Ich will Missstände benennen, Denkanstöße geben und gleichzeitig lachen können. Auch über mich selbst.
Wer mich kennt, weiß: Ich kann leise sein – aber wehe, es wird unfair. Dann werd ich laut. Ich bin ein Zyniker mit Herz, ein Klartextfreund mit Humor, und ja – auch einer, den man oft unterschätzt. Bis es knallt. Nicht laut. Sondern im Kopf des Gegenübers.
Wirklich wütend machen mich Politiker, die lieber in Kriegen baden als in Verantwortung. Menschen, die Macht mit Moral verwechseln. Und all die, die glauben, Demokratie sei nur dann gut, wenn sie ihnen nützt. Hoffnung? Die krieg ich, wenn ich in die Augen meiner Kinder sehe. Da wohnt Zukunft drin. Und Liebe. Und alles, was zählt.
Mir ist durchaus bewusst, dass das, was ich hier veröffentliche, manchmal provokant ist. Das ist nicht nur okay – das ist gewollt. Denn wer nicht aneckt, wird übersehen. Und wer nicht nachdenkt, bleibt stehen. Ich will, dass man sich reibt, innehält, vielleicht auch ärgert – und dann kommentiert. Nicht, weil ich immer recht habe. Sondern weil ich überzeugt bin: Diskurs beginnt da, wo Widerspruch erlaubt ist.
Aber Provokation ist nicht gleich Respektlosigkeit. Wer einen ehrlichen Austausch sucht, bekommt bei mir immer einen Platz am Tisch. Nur den Kaffee muss man sich selbst kochen. Aber trinken – den können wir dann gemeinsam. Zwischen Zeilen, Worten und Gedanken.
Wenn du hier liest, dann lies nicht nur. Denk mit. Schreib mit. Sag mir deine Meinung. Ehrlich, direkt, unbequem – genau wie ich. Ich bin nicht dein Influencer. Ich bin der Typ, der dir beim Lesen ein bisschen den Kopf verdreht – aber nie dein Rückgrat.