Es gibt diese Tage, da fühlt sich alles an wie Dauer-Krawall. Schlagzeilen, Kommentare, Empörung im Akkord. Jeder hat sofort „die Schuldigen“ gefunden, jeder weiß genau, wer dumm ist, wer böse ist, wer „endlich mal aufwachen“ muss. Das Land wirkt gespalten, und manchmal hat man das Gefühl: Wir wären sogar über die richtige Art zu streiten noch zerstritten.
Und dann krieg ich ein Video zugeschickt.
Also ich saß nicht im Penny und hab neben Tiefkühlpizza philosophiert. Das Video hat die Freundin meiner Frau selbst aufgenommen und uns rübergeschickt. Und auf diesem Clip passiert etwas, das so absurd ist, dass es für einen kurzen Moment sogar diese ganze aufgeblasene Dauer-Wut aus dem Kopf schiebt:
Eine Schafherde geht in den Penny in Burgsinn. Shoppen. Als wäre das das Normalste der Welt.
Nicht als Metapher. Nicht als „haha Schlafschafe“-Witz. Sondern wirklich: mehrere Schafe, Ladentür, Supermarkt, Actionregal. Realer Alltag mit Wolle.
Deutschland 2026: Alles eskaliert, aber die Herde hat einen Einkaufszettel
Du guckst diesen Clip und merkst sofort: Das ist genau die Sorte Realität, die keiner geplant hat, die aber perfekt passt. Während wir uns draußen mit großen Worten gegenseitig zerlegen, marschiert drinnen eine Herde rein und tut einfach so, als wäre das hier ein stinknormaler Montag.
Und genau da liegt der Witz: Diese Schafe wirken organisierter als viele Menschen.
Kein Gezicke, keine Grundsatzdiskussion, kein „Ich hab nur zwei Sachen, ich darf vor“. Die laufen da rein wie eine Betriebsausflug-Gruppe, die genau weiß, wo’s langgeht. Als hätten sie schon öfter bei Penny eingekauft und wären nur kurz weg gewesen.
Ich stell mir vor, wie das Leitschaf vorne kurz stehen bleibt, einmal schnuppert, und innerlich sagt: „Okay. Wir bleiben bei unserem Plan. Kein Quatsch. Kein Non-Food. Wir sind wegen Essen hier.“
Und dann geht’s los.
Was würden Schafe im Penny überhaupt kaufen?
Ich hab mir den Clip ein paar Mal angesehen und musste wirklich lachen, weil du automatisch anfängst zu überlegen: Was will eine Schafherde da drin?
Gemüseabteilung? Naheliegend.
Backwaren-Rabattkorb? Auch naheliegend.
Haferflocken? Klingt nach solider Lebensplanung.
Und dann stell dir vor, ein Schaf bleibt vorm Kühlregal stehen, wo irgendwo „Lamm“ draufsteht. Da hast du kurz diese Existenzkrise in Wollform. So ein Moment, wo ein Schaf vielleicht denkt: „Bruder… das ist nicht mein Gang.“
Das wäre dann der Punkt, an dem ich als Mensch kurz Respekt hätte. Die brauchen keine Talkshow, um zu wissen, was ihnen nicht gefällt.
Das Ding is
Wenn ein Video von einer Schafherde im Penny kurz mehr Frieden stiftet als tausend politische Debatten, dann sagt das alles. Nicht über die Schafe. Über uns. Wir sind so überhitzt, dass uns ein absurdes Stück Alltag wie eine Erleichterung vorkommt. Vielleicht sollten wir wieder lernen, nicht jede Kleinigkeit sofort als Schlacht zu behandeln. Weniger Dauerempörung, mehr Realitätssinn. Und ja: ab und zu einfach mal lachen, ohne daraus ein Lager zu machen.
Herzlichst
Mike