„Nur Bares ist Wahres“ – oder altmodisch?
Es gibt ja diese Menschen, die in der Bäckerei mit Karte zahlen. Für ein Croissant. 1,20 €. Sie stehen da, wischen dreimal übers Kartenlesegerät, murmeln etwas von NFC und Digitalisierung, und dann fragt man sich: Warum haben solche Leute überhaupt noch Zähne, wenn sie offensichtlich nichts mehr zum Kauen kaufen?
Und doch: Diese Leute gewinnen. Das Bargeld verschwindet. Lautlos, fast schüchtern. Ein Geldautomat nach dem anderen macht zu, Bankfilialen verwandeln sich in Coworking-Spaces oder Yogastudios – und plötzlich stehen wir da, wie Oma Erna mit ihrer Stoffbörse und wissen nicht mal mehr, wo wir noch einen Fünfziger herbekommen, wenn der Strom ausfällt.
Aber gut, wozu auch Bargeld? Ist doch eh nur was für Schwarzarbeiter, Steuerbetrüger und Menschen mit Aluhut – oder?
Tja. Nicht ganz. Denn Bargeld ist viel mehr als nur ein Stück Papier mit einem Wert drauf. Es ist Freiheit. Und wer es abschaffen will, verabschiedet sich klammheimlich von allem, was ein freier Bürger mal war.
Kontrolle ist geil. Für den, der kontrolliert.
Stell dir vor, du kaufst dir drei Cheeseburger. An einem Tag. Nicht, weil du sie brauchst, sondern weil du es kannst. Und weil du dich nach einem langen Arbeitstag einfach mal mit Transfetten umarmen willst.
Jetzt stell dir vor, deine Krankenkasse sieht das. Die App deiner Bank hat nämlich eine Schnittstelle, die deine Transaktionen ausliest – natürlich nur zu deinem Besten! Ein paar Tage später ruft eine freundliche Stimme an:
„Herr Mustermann, Sie haben am Dienstag, 12:47 Uhr, 13:02 Uhr und 15:33 Uhr Burger gekauft. Ist das korrekt?“
Du schluckst. Nicht wegen der Burger – sondern weil du weißt: Der nächste Beitrag wird saftig. Und diesmal nicht im Sesambrötchen.
Willkommen in der bargeldlosen Welt.
Die USA regeln das für uns
Man könnte ja sagen: „Ach komm, so schlimm wird’s schon nicht.“ Aber doch. Es wird so schlimm. Und zwar nicht wegen der deutschen Behörden – sondern wegen der digitalen Zahlungsanbieter. Denn die sitzen, Überraschung, fast alle in den USA. Visa, Mastercard, PayPal – sie lieben unsere Daten. Unsere Zahlungsverhalten. Unser Leben in Zahlen.
Der deutsche Staat gibt damit ein großes Stück Souveränität ab – und überträgt einen Teil seiner Währungsinfrastruktur an internationale Techkonzerne, die nicht gerade für Datenschutz-Apokalypsen bekannt sind. Wer braucht noch Geheimdienste, wenn man Visa-Abrechnungen hat?
Bargeld schützt – auch den Staat selbst
Und es ist nicht nur die Bevölkerung, die dadurch zum gläsernen Konsumzombie wird. Auch der Staat selbst verliert etwas: Kontrolle über die eigene Währungshoheit. Wenn die Bezahlinfrastruktur vollständig in privater Hand liegt – was bleibt dann vom staatlichen Geldmonopol? Richtig: Ein hübscher Eintrag in einem Schulbuch.
Gold, Bitcoin und der Fluch der guten Absicht
Jetzt sagen viele: „Aber Bargeld ist doch schmutzig. Da wird nur Schwarzgeld mit gewaschen. Ohne Bargeld keine Steuerhinterziehung mehr!“ Klingt gut. Ist aber Quatsch.
Denn Schwarzgeld ist ein Chamäleon. Wenn es kein Bargeld mehr gibt, wird es eben Gold. Oder Bitcoin. Oder NFTs von Mopsbildern mit Sonnenbrille. Das Schwarzgeld verschwindet nicht – es wechselt nur das Outfit. Die organisierte Kriminalität lacht sich ins Fäustchen, während der Tante-Emma-Laden im Dorf dichtmacht, weil er die Kartengebühren nicht mehr stemmen kann.
Das Ende der Selbstkontrolle
Und dann wäre da noch dieser kleine psychologische Trick, den Bargeld mit sich bringt: Es tut weh, es auszugeben. Wenn du einen Zwanziger aus dem Portemonnaie nimmst, spürst du ihn. Du fühlst, wie er verschwindet. Das nennt man „monetäre Achtsamkeit“.
Bei der Karte hingegen? Klick. Weg. Kein Schmerz. Kein Bewusstsein. Kein Limit – außer dem Dispo.
Digitales Zahlen ist wie eine offene Bar auf einem Kreuzfahrtschiff. Klingt verlockend – bis du am Ende der Reise 500 € für Gin Tonic zahlst, den du gar nicht mehr erinnern kannst.
Ältere Menschen? Pech gehabt.
Nicht jeder hat ein Smartphone. Oder will eins. Oder versteht, was eine App ist. Für viele ältere Menschen ist Bargeld der letzte Anker in einer Welt, die sich schneller dreht als sie selbst laufen können.
Wer Bargeld abschafft, schließt genau diese Menschen aus. Von der Teilhabe. Vom Alltag. Vom Leben.
Und das ist keine Digitalisierung – das ist digitaler Klassismus.
Strom weg – System tot
Noch ein Argument? Gerne. Stromausfall.
Klingt simpel, ist aber fatal. Wenn der Strom weg ist, geht nichts mehr. Kein Terminal. Keine App. Kein Onlinebanking. Keine Pizza. Keine Medikamente. Keine Taxifahrt.
Bargeld funktioniert. Immer. Es braucht keinen Akku, kein Netz, kein Passwort, kein Update.
Es braucht nur Vertrauen. Und genau das verliert man, wenn man es abschafft.
Die Bank – bald weiter weg als deine Schwiegermutter
Der Trend ist deutlich: Bankfilialen schließen. Geldautomaten verschwinden. Besonders auf dem Land. Wer Bargeld braucht, muss bald 30 km fahren. Und dann hoffen, dass der Automat nicht streikt.
Wer das nicht kann? Pech gehabt. Willkommen in der digitalen Wüste mit WLAN, aber ohne Würde.
Der digitale Euro – schöner Schein mit Systemfehler
Die EU plant den „digitalen Euro“. Klingt gut. Sogar anonym soll man damit zahlen können – solange man offline ist. Nur: Was ist, wenn du mal zu oft offline zahlst? Oder zu viel? Kommt dann die Meldung: „Ihr Anonymitätslimit ist erreicht. Bitte zeigen Sie Gesicht“?
Man kann nicht halb gläsern sein. Entweder du bist transparent – oder du bist frei. Beides geht nicht. Auch wenn man es „europäische Innovation“ nennt.
Der Mensch als Zahl – willkommen im Finanzrating
Stell dir vor, du willst eine Wohnung. Der Vermieter sieht deine letzten Ausgaben. Dreimal Kneipe, fünfmal Tankstelle, eine Überweisung an Tinder Premium.
Er entscheidet: Zu riskant.
Oder deine Bank. Du willst einen Kredit. Sie sieht deine Ausgaben. Too many Käufe bei „Babyshop24“. Vielleicht willst du noch ein Kind. Risiko steigt. Zinsen auch.
Das klingt absurd? Ja. Und genau deswegen ist es wahrscheinlich bald Realität.
Und was ist mit der Wirtschaft?
Auch sie leidet. Kleine Händler zahlen für jede Kartenzahlung Gebühren – oft zwischen 0,5 % und 2 %. Bei vielen kleinen Transaktionen macht das richtig Verlust. Der Kunde merkt’s nicht. Der Ladenbesitzer schon.
Bargeld kostet nichts. Außer vielleicht ein bisschen Zählzeit. Aber das ist wenigstens ehrlich.
Schwarzarbeit? Ja. Aber mit Stil.
Und selbst, wenn wir zugeben: Bargeld wird auch für Illegales genutzt. Stimmt. Aber dann schauen wir doch bitte auch auf die andere Seite:
- Die Panama Papers waren nicht in Bar.
- Cum-Ex-Geschäfte liefen nicht über Scheine.
- Wirecard war kein Koffer voller 50er.
Die großen Skandale dieser Zeit sind digital. Nicht bar. Also hört auf, dem Bäcker um die Ecke die Steuervermeidung vorzuwerfen, während multinationale Konzerne Milliarden verschieben – ganz ohne Münzeinwurf.
Warum die Angst vor Bargeld so bequem ist
Weil es leicht ist, Bargeld zu verteufeln. Weil es aus Papier ist. Weil man es verlieren kann. Weil es riecht. Weil es altmodisch wirkt.
Aber es ist genau das Altmodische, das uns schützt. Bargeld ist kein Anachronismus – es ist ein Rettungsring in einer übertechnologisierten Gesellschaft, die gerade dabei ist, sich selbst zu bewundern, während sie absäuft.
Das Ding is
Wer Bargeld abschaffen will, meint es vielleicht gut. Vielleicht. Aber der Weg zur Hölle ist bekanntlich gepflastert mit NFC-Chips, Bonuspunkten und App-Bewertungen. Ohne Bargeld verlieren wir nicht nur die Kontrolle über unsere Ausgaben – wir verlieren die Kontrolle über uns selbst.
Freiheit beginnt da, wo Kontrolle aufhört. Und Bargeld ist ein kleines, knisterndes Symbol dieser Freiheit. Es steht für Vertrauen, für Unabhängigkeit, für Menschlichkeit.
Deshalb: Lasst uns über digitale Zahlungsmittel reden. Lasst uns sie nutzen. Aber lasst uns das Bargeld verteidigen – nicht aus Nostalgie, sondern aus Vernunft. Weil ein freier Mensch selbst entscheidet, wie er bezahlt. Und nicht darauf warten muss, ob die App heute funktioniert.
Herzlichst,
Mike
Du hast eine Meinung dazu? Findest du Bargeld überbewertet – oder genau das, was uns noch schützt? Schreib’s in die Kommentare und lass uns diskutieren. Wie immer mit Respekt, Hirn und Humor.
Empfohlene Links:
Verbraucherzentrale NRW – Warum Bargeld wichtig bleibt
Focus Online – Pro & Contra Bargeldabschaffung
Deutschland.de – Bargeld als kulturelles Gut
Wikipedia – Bargeld (historischer Überblick & Kritik)