Albert Einstein haut mit diesem Satz nicht einfach einen schlauen Spruch raus, er legt den Finger genau da rein, wo es weh tut: Das größte Problem ist nicht der klassische Bösewicht. Das größte Problem ist die bequeme Masse, die wegschaut, schluckt, schweigt – und damit die Bühne frei macht.
Böse Menschen gab es immer. In jedem System, in jeder Epoche, in jeder Nachbarschaft. Die sind laut, dreist, manchmal sogar charmant. Aber sie wären ziemlich schnell erledigt, wenn sie auf Widerstand stoßen würden. Das Zitat dreht deshalb die Perspektive: Entscheidend ist nicht, dass es Böses gibt. Entscheidend ist, ob es Grenzen gibt. Ob jemand sagt: Stopp. Ob jemand handelt, bevor aus einem kleinen Unrecht ein Normalzustand wird.
Zulassen klingt harmlos. Fast passiv. Als würde man nur nichts tun. Aber genau das ist der Punkt: Nichtstun ist nicht neutral. Wer das Böse zulässt, stärkt es. Moral ist nicht nur eine Frage davon, ob man selber jemandem schadet. Moral ist auch die Frage, ob man zulässt, dass andere schaden – und ob man dann noch so tut, als hätte das alles nichts mit einem zu tun.
Philosophisch steckt da ein unangenehmer Gedanke drin: Verantwortung beginnt nicht erst bei der eigenen Tat, sondern schon bei der eigenen Reaktion. Oder eben bei der fehlenden. Wer wegsieht, entscheidet sich trotzdem. Für Ruhe statt Konflikt. Für Bequemlichkeit statt Haltung. Und oft für die eigene Illusion, man könne „raus“ sein aus dem Ganzen.
Das Zitat ist deshalb so unbequem, weil es keine Ausreden übrig lässt. Es sagt nicht: Sei perfekt. Es sagt: Sei nicht gleichgültig. Und das heißt manchmal: Mund aufmachen, obwohl man keinen Bock hat. Sich einmischen, obwohl es nervt. Solidarisch sein, obwohl es einem nichts bringt.
Das Ding is: Eine Gesellschaft kippt nicht, weil ein paar Leute böse sind. Sie kippt, wenn genug Menschen das Böse normal finden, sich daran gewöhnen oder sich einreden, es gehe sie nichts an. Und genau da liegt die echte Aufgabe: nicht überall Held spielen, aber überall dort nicht schweigen, wo Unrecht sich breitmacht.
Wie verstehst du dieses Zitat – und wo hast du selbst schon erlebt, dass Wegsehen alles schlimmer macht?