Die Guten gegen die Bösen – sponsored by Rheinmetall
Stell dir vor, du sitzt in einem Kindergarten. Ein Kind hat eine Schaufel geklaut, das andere weint. Jetzt kommt die Erzieherin und sagt: „Peter ist immer böse. Und Tim ist immer gut.“ So funktioniert unsere Außenpolitik. Nur dass es dabei nicht um Schaufeln geht, sondern um Panzer, Milliarden und Leichenberge.
Willkommen in der Weltordnung des 21. Jahrhunderts, wo Russland stets der Teufel ist, die NATO der Messias – und die Ukraine das Kanonenfutter, das niemand fragt, aber alle benutzen. Dass Russland die Ukraine überfallen hat, ist unbestritten. Aber wie bequem es sich der Westen inzwischen in der eigenen Opferrolle gemacht hat, ist an Heuchelei kaum zu überbieten.
Die NATO – Verteidigungsbündnis mit chronischem Muskelzucken
„Die NATO ist ein rein defensives Bündnis“ – das sagen die gleichen Leute, die auch glauben, ihr SUV sei umweltfreundlich, weil er Start-Stopp-Automatik hat. In Wirklichkeit ist die NATO das wohl am schlechtesten getarnte Angriffsbündnis der Neuzeit. Seit Jahrzehnten marschiert sie überall da ein, wo sich Demokratie angeblich nicht von selbst installiert – sofern dort Öl, Gas, geostrategische Vorteile oder moralisch fotogene Opfer zu finden sind.
Jugoslawien? Verteidigung.
Libyen? Verteidigung.
Afghanistan? Verteidigung.
Irak? Ach nee, da war ja nur der große Bruder aus Übersee – und wir haben halt ein bisschen mitgemacht.
Und heute? Jetzt ist Russland wieder dran. Natürlich zur Verteidigung von irgendwas. Vielleicht westlichen Werten. Oder westlichem Einfluss. Oder westlichen Aktienkursen von Lockheed Martin. Irgendwas findet sich immer.
Russland – der ideale Feind für jede PR-Abteilung
Russland ist ein autoritärer Staat. Keine Frage. Pressefreiheit? Njet. Opposition? Wird totgehauen oder vergiftet. LGBTQ-Rechte? Haha, guter Witz. Aber: Russland ist vor allem eines – praktisch. Denn mit Russland kann man alles rechtfertigen: Waffenlieferungen, Aufrüstung, Sanktionen, das Einfrieren von Debatten, Einschränkungen der Meinungsfreiheit – einfach nur „Putin!“ schreien, und schon ist alles erlaubt.
Währenddessen ignorieren wir geflissentlich, dass Saudi-Arabien Menschen öffentlich hinrichtet, China ein ganzes Volk umerziehen will und in den USA Schwarze von der Polizei erschossen werden, weil sie Zigaretten kaufen. Aber hey – Russland ist der Teufel, und Teufel dürfen keine Fragen beantworten. Nur anklagend angestarrt werden.
Und weil der Teufel eben keinen Tropfen Öl mehr verdient, holen wir unseren Sprit jetzt aus Saudi-Arabien – einem Land, das Journalisten zersägt, aber wenigstens nicht in der Ukraine steht. Flüssiggas kommt aus Katar, Kohle aus Kolumbien, und chinesische Solarzellen retten unseren grünen Klimamoralismus. Völkerrecht? Gilt natürlich auch dort – nur halt nicht ganz so streng. Russland verstößt gegen internationales Recht? Schlimm. Saudi-Arabien? Schwierig. Aber nicht so schlimm. Das Völkerrecht ist halt wie Hausregeln in einer WG: Gilt eigentlich für alle – außer für den, der das WLAN bezahlt.
Die Ukraine – Spielball, Heilsbringer, moralische Geisel
Wer heute was gegen Waffenlieferungen sagt, will angeblich die Ukraine „verraten“.
Dabei wurde die Ukraine längst verraten – spätestens seit 2014, als man sie nicht als Partner, sondern als geopolitisches Werkzeug betrachtete. Ein nützlicher Vorposten gegen Russland. Für Demokratie, klar. Aber eben nur, solange sie dem Westen nützt.
Statt echte Friedensverhandlungen zu fordern, liefern wir Panzer, Raketen, Munition, Patriot-Systeme, Starlink-Abos und noch ein bisschen Moral obendrauf. Und der ukrainische Präsident spielt seine Rolle perfekt: mal kämpferischer Held, mal moralischer Bettler, mal Instagram-Star mit Helm. Eine Rolle, die die westliche Medienlandschaft liebt. Weil sie einfach ist. Und einfache Narrative brauchen wir. Komplexität stört beim Framing.
Und währenddessen erheben sich die selbsternannten Gutmenschen aus der moralischen Oberschicht und erklären dir im Brustton der Überzeugung, dass jeder, der Waffenlieferungen kritisch sieht, entweder ein Putinfreund, ein Faschist oder wahlweise beides sei. Die gleiche Truppe, die vor Jahren noch gegen jede Aufrüstung war, schreit jetzt am lautesten nach mehr Marschflugkörpern – und merkt dabei nicht mal, dass sie genau das predigt, was sie angeblich bekämpfen: Kriegshetze.
Sie wurden zu Kriegshetzern umgewandelt. Zumindest solange bis man sie für was anderes braucht. Gutmenschen sind eigentlich gut, bis zu dem Moment, an dem Tagesschau und Co. etwas anderes verlangen. Oder sie sind einfach nur dumm genug, auf das große Kriegsspektakel reinzufallen, das vor allem eines ist: profitabel. An diesem Krieg wird, wie an jedem Krieg, prächtig verdient. Von Konzernen, Rüstungsbuden, Beratungsfirmen und PR-Agenturen.
Man spricht nur nicht gern darüber. Würde das schöne Heldennarrativ stören.
5 % vom BIP – weil Krieg ja bekanntlich gesund ist
Dass Deutschland künftig 5 % seines Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung ausgeben will, ist die logische Folge dieser Inszenierung. Wohlgemerkt: Das sind über 200 Milliarden Euro pro Jahr. In einem Land, in dem Schulen verfallen, Kitas schließen, Pfleger fehlen und Bahnen nicht fahren.
Aber Panzer? Panzer fahren. Immer. Und wenn sie nicht fahren, dann stehen sie wenigstens fotogen irgendwo im Osten rum, damit man im Bundestag sagen kann: „Wir tun was.“
Was tun wir? Aufrüsten, provozieren, verlagern. Es ist wie ein toxisches Fitnessstudio für Nationalstaaten. Und Friedrich Merz steht daneben mit einer Pfeife und schreit: „Los, pump noch mehr für die Freiheit!“
Friedrich Merz – der gefährlichste Mann im Land
Und damit wären wir bei Friedrich Merz, dem politischen Wadenbeißer der Nation. Der Mann fordert offen, Russland mit westlichen Waffen auch auf russischem Boden anzugreifen. Das wäre ein direkter Angriffskrieg. Von deutschem Boden aus. In einem Atomzeitalter.
Aber klar: Wenn du das kritisierst, bist du ein Putinfreund. Oder „demokratiezersetzend“. Oder „antieuropäisch“. Wahrscheinlich auch alles gleichzeitig. Denn wir leben in einer Zeit, in der Debatten durch moralische Etiketten ersetzt wurden. Und Merz nutzt das perfekt. Er ist wie ein Kind, das im Sandkasten das Förmchen wegnimmt – und dem anderen die Schuld gibt, wenn der Sandkasten brennt.
Die Doppelmoral der westlichen Medien
Wenn Russland zivile Ziele trifft: Kriegsverbrechen.
Wenn die Ukraine versehentlich eine Rakete in Polen einschlägt: „Bedauerlicher Zwischenfall.“
Wenn Russland Kriegspropaganda verbreitet: gefährlich.
Wenn westliche Medien permanent erklären, dass Russland gleich zusammenbricht, obwohl es ökonomisch stabiler dasteht als gedacht: „Verlässliche Quellen.“
Diese Medien berichten nicht mehr. Sie performen. Und zwar genau das, was ihre Auftraggeber – wirtschaftlich wie politisch – brauchen: Feindbilder, einfache Erzählungen, klare Lager. Willkommen in der Netflix-Version des Kalten Kriegs.
Die Illusion vom Frieden durch Aufrüstung
„Wenn wir nur stark genug sind, wird Putin schon einknicken.“ – Aha. Und wenn ich mir nur genug Chips reinpfeife, wird der Bauch auch irgendwann kleiner. Denn ich habe nun entschieden das Chips gesund sind.
Spoiler: Sind sie nicht und wird der Bauch nicht.
Wer glaubt, Aufrüstung bringe Frieden, hat nichts verstanden. Frieden entsteht durch Vertrauen, Diplomatie, Kompromiss. Nicht durch die längere Reichweite der Raketen. Aber die westliche Außenpolitik hat sich längst in ein testosterongeschwängertes Balzverhalten verwandelt: Wer am lautesten „Freiheit!“ schreit und am weitesten ballert, ist der neue Leithammel.
Und was, wenn Russland wirklich verliert?
Darüber spricht kaum jemand. Was passiert, wenn Russland tatsächlich „besiegt“ wird? Gibt es dann eine stabile Nachfolgeregierung? Oder ein Machtvakuum mit Atomwaffen? Oder einen Bürgerkrieg mit 17 Fraktionen und westlicher „Demokratiehilfe“ à la Irak?
Die Wahrheit ist: Niemand weiß es. Und niemand scheint es zu interessieren. Hauptsache, man hat „gewonnen“.
Gegen wen?
Für was?
Wenn Worte zu Waffen werden – und Zweifel zur Straftat
Der vielleicht größte Schaden entsteht jedoch nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in den Köpfen. Denn in Zeiten wie diesen wird jedes kritische Wort zur Waffe – gegen dich selbst. Wer heute öffentlich fragt, ob es auch diplomatische Lösungen geben könnte, bekommt keine Antwort, sondern Etiketten: „Putinfreund!“ – „Antidemokrat!“ – „Querfront!“
Und während man früher diskutieren konnte, ob Aufrüstung wirklich hilft, reicht heute ein Tweet, um dich gesellschaftlich zu exekutieren. Und das macht spaß! Denn ich selbst wurde schon als dumm, Nazi, Putinfreund hingestellt. Aber auch schon als Linksradikal, der den Leuten aufs Maul haut wenn sie nicht seiner Meinung sind.
Merkt ihr eigentlich noch was? Habe eine andere Meinung, eine Meinung die vielleicht auch noch Optionen zu all dem Wahnsinn aufzeigt, und sie sprechen dir am liebsten das Recht ab, überhaupt eine Meinung zu haben.
Das Ding is
Der Krieg in der Ukraine hat viele Tote gefordert. Und noch mehr Heuchler hervorgebracht. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie der Westen sich moralisch aufbläst, während er geopolitisch zündelt – mit Benzinkanister in der einen Hand und der Friedenstaube in der anderen.
Russland ist nicht die Lösung. Aber der Westen ist auch nicht die Antwort. Solange wir lieber Waffen liefern als Worte, Konflikte verlängern statt beenden und Kritik moralisch vernichten, ist Frieden eine leere Worthülse. Und die Ukraine bleibt ein Schlachtfeld – nicht nur der Waffen, sondern der Narrative. Solange aber Menschen das sagen haben, für die Geld an erster Stelle kommt und Menschen sich gerne aufhetzen lassen, die sich dann gerne auch als gute Menschen hinstellen, solange bleibt alles wie es ist.
Wir brauchen Mut zur Diplomatie. Mut zur Selbstkritik. Und den Mut, sich zwischen den Fronten nicht zu verlieren.
Herzlichst, Mike
Diskutiere mit!
Waffen, Werte, Wahrheit – was hältst du von der Rolle des Westens im Ukrainekonflikt?
Lass deinen Kommentar da. Auch wenn du denkst, ich sei zu hart. Oder zu weich. Oder einfach zu unbequem.
Quellen
Acharya, A. (2022). Balancing deterrence and diplomacy: Global responses to the Russia-Ukraine conflict. Global Affairs Canada.
https://www.international.gc.ca/world-monde/issues_development-enjeux_developpement/response_conflict-reponse_conflits/crisis-crises/ukraine-fact-fait.aspx?lang=eng
Center for Strategic and International Studies (CSIS). (2023). The Russia-Ukraine war: A study in analytic failure.
https://www.csis.org/analysis/russia-ukraine-war-study-analytic-failure
Götz, E. (2019). Explaining Russia’s opposition to NATO enlargement. In D. S. Hamilton (Ed.), Eastern Voices: Europe’s East faces an uncertain future.
https://transatlanticrelations.org/wp-content/uploads/2019/04/21-Gotz.pdf
Hamilton, D. S. (Ed.). (2019). The sources of Russia’s fear of NATO. ResearchGate.
https://www.researchgate.net/publication/324901968_The_sources_of_Russia%27s_fear_of_NATO
Institute for the Study of War (ISW). (2025). Ukraine Conflict Updates – Daily Backgrounder.
https://www.understandingwar.org/backgrounder/ukraine-conflict-updates
Magash, T. (2025). The Russo-Ukrainian War: An Academic Literature Review.
https://www.researchgate.net/publication/387603341_The_Russo-Ukrainian_War_An_Academic_Literature_Review
ScienceDirect. (2023). The Russia–Ukraine war and global trade reallocations.
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165176523001003
Taylor & Francis. (2024). Russia’s War Against Ukraine: Context, Causes, and Consequences – Special Issue.
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10758216.2024.2343640