Hinten die Bissingerstr. noch zu erkennen, über Am Schossgatter im Vordergrund. Gerade hier wäre es schön wenn gelaufen statt gefahren wird.
Kant meinte einmal, Vernunft sei unser höchstes Gut. Ich vermute, er meinte damit nicht den Fahrradfahrer, der mir eben auf dem Waisenhausplatz mit 28 km/h den Einkaufsbeutel aus der Hand geschossen hat.
Radfahrer, die moralischen Aristokraten
Es gibt zwei Sorten Menschen in Pforzheim: jene, die mit dem Auto fahren, und jene, die mit dem Rad unterwegs sind. Und dann gibt es noch die Fußgänger, aber die zählen eigentlich nicht – die sind nur da, um überrollt zu werden.
Radfahrer inszenieren sich gern als die besseren Menschen: ökologisch korrekt, sportlich, frei von den Sünden des fossilen Verbrennungsmotors. Sie sitzen auf ihren Drahteseln wie mittelalterliche Ritter, nur ohne Pferd und ohne Rüstung – dafür aber mit einem moralischen Überlegenheitsgefühl, das jede noch so kleine Klingel zu einer Posaune des Weltgerichts macht.
„Ich rette die Welt, indem ich dich fast umfahre!“ scheint das geheime Motto zu sein.
Pforzheim als Labor der Verkehrspsychologie
Entlang der Enz ist das Schauspiel besonders schön zu beobachten. Zwischen dem Altenheim Ambiente und dem Parkhotel tummeln sich Spaziergänger, Mütter mit Kinderwagen, alte Herren mit Rollator – und mittendurch schießt der Radfahrer, als wolle er die Tour de France gewinnen.
Ob es offizielle Anordnungen gibt? Das ist in Pforzheim ungefähr so eindeutig wie der Wetterbericht für den Schwarzwald. Mal hängt irgendwo ein Schild, mal nicht. Und wenn eins da ist, wird es von Radfahrern gelesen wie ein Horoskop: Man nimmt sich das raus, was gerade passt. „Fahrrad schieben“? Ach, das gilt bestimmt nur für Leute ohne Carbonrahmen. „Fußgängerzone“? Klar, aber ich bin doch gar kein Fußgänger, ich bin Radfahrer – also durch da!
Der Autofahrer – das Feindbild
Natürlich: Autofahrer sind die wahren Monster. Sie stinken, sie hupen, sie blockieren die Innenstadt, sie parken in zweiter Reihe wie Könige, die ihr Reich inspizieren. Und ja – vieles davon stimmt. Aber das Problem ist: Radfahrer sind im Kern auch nur Autofahrer ohne Auto.
Ihre Aggression ist identisch, nur dass sie nicht auf der Hupe, sondern auf der Klingel lastet. Der Unterschied: Während der Autofahrer immerhin durch zwei Tonnen Stahl von der Außenwelt getrennt ist, spürt man beim Radfahrer den ganzen Zorn direkt an der Schulter, wenn er mit 15 Zentimetern Abstand an einem vorbeizischt.
Fußgänger – die Opferrolle
Arme Fußgänger. Sie sind der Sand im Getriebe dieser zwei Kriegsparteien. Während Autofahrer Radfahrer von der Straße drängen und Radfahrer Autofahrer moralisch verachten, stehen die Fußgänger in der Mitte und fragen sich: „Warum eigentlich wir?“
In der Fußgängerzone Pforzheim erlebt man regelmäßig Szenen, die man sonst nur aus Endzeitfilmen kennt. Radfahrer preschen durch, als gäbe es keine Regeln. Klingelnde Krieger auf zwei Rädern, die mit der gleichen Verachtung auf Kinderwagen schauen wie Autofahrer auf Radwege.
Das Selbstbild und die Realität
Radfahrer sehen sich als Revolutionäre. Frei, ungebunden, das bessere Verkehrsmittel wählend. Sie schimpfen über Staus, über Abgase, über Autofahrer, die angeblich immer rücksichtslos sind.
Aber sobald sie im Sattel sitzen, verwandeln sie sich:
- Der Rücksichtvolle wird zum Berserker.
- Der Moralist zum Egoisten.
- Der Weltretter zum Schulterrempler.
Es ist ein psychologisches Paradox: Wer ständig über Autofahrer klagt, benimmt sich im Kleinen oft selbst wie der SUV auf zwei Rädern.
Pforzheims Enz – ein Brennglas
Die Strecke von der Bissingerstraße über Schossgatter bis zum Waisenhausplatz wäre eigentlich ein Traum für Spaziergänge. Doch statt Vogelgezwitscher hört man Klingeln, statt Idylle erlebt man Adrenalin. Manche Radfahrer benehmen sich dort, als hätten sie Startnummern und Sponsoren auf dem Trikot.
Und das alles, obwohl niemand sie zwingt. Es gibt keinen Zwang, keinen Grund, außer dem inneren Drang, schneller, besser, überlegener zu sein.
Radfahrer und Moral
Die Ironie könnte größer nicht sein:
- Autofahrer: „Ihr Radfahrer haltet euch an keine Regeln!“
- Radfahrer: „Ihr Autofahrer nehmt keine Rücksicht!“
- Fußgänger: „Hilfe!“
Und am Ende des Tages haben alle recht – und alle unrecht.
Das Ding is
Am Ende ist es egal, ob man auf einem Fahrrad sitzt, im Auto fährt oder mit Einkaufstaschen durch die Fußgängerzone schleicht: Rücksicht ist keine Frage des Verkehrsmittels, sondern der Haltung. Ob es Schilder entlang der Enz gibt oder nicht ist egal. Es sollte nicht um Pflicht gehen, sondern um die Möglichkeit, das Miteinander zu gestalten.
Wenn Radfahrer wirklich besser sein wollen, sollten sie es zeigen – nicht nur durch ökologische Moral, sondern durch echte Rücksicht. Sonst bleibt von ihrem Anspruch nichts übrig als das nervige „Kling-Kling“, das zwischen Parkhotel und Ambiente wie ein schlechtes Gewissen klingt.
Herzlichst, Mike
Was meinst du? Muss man Radfahrer wirklich so heftig kritisieren – oder sind sie am Ende einfach nur ein Spiegelbild der Autofahrer? Schreib deine Meinung unten in die Kommentare – ich freue mich auf die Diskussion!
Weiterführende Links
- Stadt Pforzheim – Radverkehr: Informationen zur Radverkehrsplanung in der Stadt Pforzheim findest du hier:
www.pforzheim.de/stadt/mobilitaet/radverkehr.html - Stadt Pforzheim – Radverkehrskonzept: Details zum offiziellen Radverkehrskonzept sind hier abrufbar:
www.pforzheim.de/stadt/mobilitaet/radverkehr/radverkehrskonzept.html - Fahrradstadt Pforzheim (Bürgerinitiative): Die Initiative „Fahrradstadt Pforzheim“ stellt hier ihre Projekte vor:
www.fahrradstadt-pforzheim.de - Radverkehr im Enzkreis: Infos zum Radverkehrskonzept des Enzkreises findest du hier:
www.enzkreis.de – Radverkehr - Klimaschutz Pforzheim – Mobilität/Fahrrad: Wissenswertes zum Thema Fahrrad und Klimaschutz gibt es hier:
www.klimaschutz-pforzheim.de/mobilitaet/fahrrad.html