Hinweis: Das Bild zeigt keine echten Personen. Es wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt und dient ausschließlich der symbolischen Darstellung des Themas.
Ich lebe seit 50 Jahren in Pforzheim. Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen, hier älter geworden. Ich hab die Stadt gesehen, als sie noch anders war. Und ich hab gesehen, wie sie sich verändert hat. Das ist normal. Jede Stadt verändert sich. Aber in Pforzheim reden viele inzwischen nur noch über ein Thema: zu viele Ausländer.
Ich höre das oft. Auf Facebook in den lokalen Gruppen, wo sich regelmäßig Diskussionen hochschaukeln. Aber auch auf der Straße, in Gesprächen an der Bushaltestelle, auf dem Markt, im Café. Der Satz fällt ständig – „Pforzheim ist nicht mehr, was es mal war.“ Und meistens ist er verknüpft mit dem Gefühl, dass sich „die Stadt verändert hat“.
Wenn man dann nachfragt, wen oder was die Leute eigentlich meinen, hört man meist dasselbe: Schwarze, Araber, Muslime. Und ich sag’s offen – ja, das ist das, was viele ansprechen, auch wenn sie es in der Öffentlichkeit nicht so deutlich sagen würden.
Ich hab viele Gespräche gehört, und ich hab hingehört. In 80 Prozent dieser Fälle war das kein blanker Rassismus. Da war kein Hass, keine abgrundtiefe Abneigung. Da war Angst. Frust. Überforderung. Die Menschen fühlen sich fremd in der eigenen Stadt. Sie sehen Nachrichten über Messerangriffe, über Anschläge, und es sind nun mal – leider – oft genau die Gruppen, über die dann gesprochen wird. Das prägt. Und irgendwann reicht ein einziger Blick oder ein lauter Ton in der Innenstadt, um dieses Gefühl wieder auszulösen: Unsicherheit.
Der kleinste Teil der Leute ist offen rassistisch. Das sind die, die einfach nur wollen, dass alles, was fremd aussieht, verschwindet. Diese Arschlöcher gibt’s überall, und sie sind nicht die Mehrheit. Die Mehrheit ist einfach nur verunsichert.
Ich sag das nicht, um etwas schönzureden. Ich sag das, weil ich es so wahrnehme. Ich war selbst Ausländer. Ich hab ein paar Jahre in Spanien gelebt, und auch wenn ich dort kein Problem hatte, hab ich verstanden, wie es ist, wenn du irgendwo ankommst und die Leute dich anschauen, als wärst du nicht von hier. Das Gefühl bleibt hängen. Es verändert, wie du selbst über das Wort „Integration“ denkst.
Ich war Ausländer, und es war klar: Ich bin ein Gast in einem wunderbaren Land. Und so habe ich mich auch verhalten. Ich habe mich angepasst, zugehört, gelernt, wie die Menschen dort leben und ticken. Ich habe Respekt von den Spaniern bekommen – weil ich ihnen Respekt entgegengebracht habe. So funktioniert das in der Regel immer. Gegenseitig. Einfach, aber entscheidend.
Wenn ich heute durch Pforzheim laufe, sehe ich, wie stark sich die Stadt verändert hat. Und ja, der Anteil muslimischer Menschen ist sehr hoch. Das Stadtbild wird dadurch geprägt. Aber das allein ist nichts Schlechtes. Vielfalt kann bereichern. Nur – sie funktioniert nicht automatisch. Sie funktioniert nur, wenn Respekt und Offenheit auf beiden Seiten da sind.
Und genau da liegt das Problem. In vielen Bereichen fehlt der Respekt. Ich sehe es im Alltag. Ich sehe es im Umgang miteinander. Es sind kleine Dinge, aber sie summieren sich. Fehlender Blickkontakt, Rücksichtslosigkeit, das Gefühl, dass man sich gegenseitig nichts mehr zu sagen hat. Und ja, das kommt nicht nur von einer Seite.
Was mich besonders stört: Wenn man das anspricht, wird man sofort in eine Ecke gestellt. Sagst du, dass du dich unwohl fühlst, weil sich die Stadt verändert hat – zack, bist du ein Rassist. Wenn du sagst, dass Integration in manchen Bereichen gescheitert ist – zack, du hast angeblich ein Problem mit Fremden. Das ist Bullshit. Man muss über solche Dinge reden dürfen, ohne gleich abgestempelt zu werden.
Denn das ist genau der Punkt, an dem sich Gesellschaft spaltet. Wenn Menschen sich nicht mehr trauen, ihre Sorgen auszusprechen, weil sie Angst haben, als Nazis bezeichnet zu werden, dann gärt das. Dann redet keiner mehr ehrlich, sondern nur noch hinter vorgehaltener Hand. Und genau das sehe ich immer häufiger.
Ich glaube nicht, dass Pforzheim ein rassistisches Problem hat. Ich glaube, Pforzheim hat ein Ehrlichkeitsproblem. Wir reden nicht mehr miteinander, sondern nur noch übereinander. Jeder bleibt in seiner Gruppe. Die einen im Internet, die anderen im Café. Dazwischen gibt’s kaum noch echte Gespräche.
Und genau das ist das, was Integration eigentlich braucht – Begegnung. Man muss sich kennenlernen. Man muss verstehen, wie der andere tickt, wie er lebt, warum er Dinge anders sieht. Man kann nicht Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion, Kultur einfach nebeneinander abstellen und sagen: „Kommt klar.“ Das funktioniert nicht. Das muss gelernt werden.
Ich finde, die Stadtpolitik müsste das endlich ehrlich ansprechen. Ja, wir haben Probleme mit Integration. Ja, es gibt Viertel, in denen Dinge aus dem Ruder laufen. Und ja, es gibt Menschen, die sich nicht anpassen wollen. Aber das darf man nicht totschweigen, weil man Angst hat, als rechts zu gelten. Es geht nicht darum, jemanden auszuschließen – es geht darum, Verantwortung zu übernehmen.
Ich glaube, die meisten wollen einfach nur, dass Pforzheim wieder eine Stadt wird, in der man sich wohlfühlt. Egal, wo man herkommt. Das funktioniert aber nicht, wenn man Probleme ignoriert oder schönredet. Und auch nicht, wenn man pauschal auf „die Ausländer“ schimpft. Beides bringt nichts.
Ich hab gelernt, dass Ehrlichkeit das Wichtigste ist – ja, das A und O. Und auch wenn ich nicht weiß, woher diese Redewendung kommt, stimmt sie einfach. Ehrlichkeit ist die Grundlage von allem. Wenn wir ehrlich miteinander reden, wenn wir Probleme offen benennen, ohne jemanden gleich zu verurteilen, dann kann man was verändern.
Darum sag ich: Wir müssen wieder miteinander reden. Jeder, mit jedem. Auch mit denen, die ganz anders denken, leben, aussehen. Wenn wir das nicht schaffen, dann verliert Pforzheim das, was es mal stark gemacht hat – Zusammenhalt.
Das Ding is:
Ich will, dass man wieder ehrlich miteinander redet. Nicht über Herkunft, sondern über Verhalten. Nicht über Angst, sondern über Lösungen. Wir müssen lernen, dass Kritik nicht automatisch Hass bedeutet, und dass man Missstände benennen darf, ohne gleich ein Arschloch zu sein. Ich will, dass Pforzheim wieder ein Ort wird, an dem man sich begegnet, nicht nur ausweicht. Und das geht nur, wenn wir alle aufhören, uns gegenseitig in Schubladen zu stecken.
Wer mitreden will, soll das tun. Aber bitte ehrlich.
Herzlichst, Mike
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